In diesem Jahr begeht eine der bekanntesten und gleichzeitig geheimnisvollsten internationalen Organisationen ihren 50. Geburtstag - die OPEC. Ein neues Buch erzählt deren Geschichte und ermöglicht einen erhellenden Blick hinter die Kulissen dieses nicht ganz so mächtigen Kartells.
Kaum eine Organisation verursachte in den letzten Jahrzehnten in den westlichen Ländern derartige Gefühlswallungen bei den Bürgerinnen und Bürgern, Medien sowie Politikern wie die OPEC (Organization of Petroleum Exporting Countries). Insbesondere viele Autofahrer verbinden mit ihr das Bild eines Zusammenschlusses von Staaten, deren Vertreter in teuren Limousinen an den Prachtbauten ihrer Länder vorbeifahren, während die Autofahrer in Europa an der Tankstelle immer tiefer in die Tasche greifen müssen.
Dass dieses Bild jedoch nur eine vereinfachende und - wenn überhaupt - eher selten zutreffende Beschreibung ist, zeigen die Politikwissenschaftler Jan Martin Witte und Andreas Goldthau in ihrem Buch „Die OPEC - Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells“.
Die Autoren beschreiben leicht verständlich und gut strukturiert die Geschichte des „schwarzen Goldes“ von den ersten Entdeckungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis hin zu den aktuellen Debatten über erneuerbare Energien und Klimawandel. Dabei zeigen Witte und Goldthau stets das spannende Wechselspiel zwischen den politischen Entscheidungen und den jeweiligen Entwicklungen auf dem Ölmarkt. Somit werden sowohl die |
wirtschaftliche Bedeutung aber auch die politische Konfliktträchtigkeit des Öls spannend analysiert. Erhellend ist zudem die Tatsache, dass die OPEC während ihrer gesamten Geschichte nie dem Bild entsprach, welches insbesondere westliche Medien und Politiker in den letzten Jahrzehnten gern vermittelten: ein Kartell, das mit einer Stimme spricht und die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Globus jederzeit und nach Belieben beeinflussen kann. Vielmehr zeigt sich, dass dieser Zusammenschluss der Erdöl exportierenden Länder stets durch Intransparenz, Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich Preisen und Fördermengen sowie gegenseitigem Misstrauen bis hin zu Kriegen zwischen den Mitgliedsstaaten geprägt war. Die Geschichte der OPEC ist von Höhen und Tiefen geprägt; kann sie zu einem Zeitpunkt die Preise für Öl nahezu im Alleingang festlegen, wird sie schon einige Jahre später zu einem Getriebenen ohne Einfluss auf die Entwicklung der Preise. Zur Verständlichkeit der Geschichte trägt ebenso bei, dass die Autoren auch ausführlich die Entwicklung der Nicht-OPEC-Ölproduzenten schildern. So zeigt nicht zuletzt die Entwicklung in Russland und den ehemaligen Mitgliedern der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, dass Rohstoffe wie Öl (und Gas) eben keine „normalen“ Marktgüter sind. |