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Nirvana, Joints und Dosenbier
14.12.2010
"Lokalhelden"
In „Lokalhelden“ porträtiert Jörg Harlan Rohledder die durchschnittliche Jugend in den Neunzigern: ohne Zukunftspläne, dafür mit viel Lust auf Partys - doch am Ende meist erfolgreich. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden in der Provinz in einer unaufgeregten Epoche.

Die vier zentralen Personen in „Lokalhelden“ sind die sechszehnjährigen Schüler Enni, Brownsen, Wolle und Schmall. Die vier Freunde wohnen in der baden-württembergischen Provinz und stammen meist - wie es immer so schön heißt - aus gutbürgerlichen Elternhäusern.

Ihre Freizeit verbringen sie mit Skaten, Bongs rauchen, Mädchen und Musik - wer selbst in den Neunzigern seine Jugend verbrachte, fühlt sich bei dieser Geschichte angenehm zurückversetzt. Hierzu trägt auch bei, dass Schmall als Ich-Erzähler fungiert und damit eine Nähe zwischen dem Leser und der Geschichte schafft. Der Provinz und seinen Jugendfreuden schon entwachsen, blickt er im Zuge eines Heimatbesuches zurück. Weit genug entfernt, um die Ereignisse der letzten Jahre zu überblicken, nah genug dran, um zu erzählen, ohne zu bewerten, zu psychologisieren oder historisieren.


Eine hautnahe Empathie des Lesers ermöglicht auch die Unaufgeregtheit, mit der Rohledder seinen Helden die Geschichte erzählen lässt. Kneipenbesuche, die Suche nach interessanten Clubs und Konzerten, der Versuch, mit einem großen Gras-Deal reich zu werden, gute und schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, aber auch der Ärger mit Schlägern und Nazis werden nicht als einschneidende Ereignisse, sondern als verkraftbare Erfahrungen geschildert.

Nicht zuletzt die eher beiläufige Erwähnung von damals prägenden Musikern und Musiksendern wie MTV ermöglichen dem Leser eine Reise zurück in seine Jugend. Und man erinnert sich daran, dass es noch gar nicht lange her ist, dass gemeinsame Treffen auch ohne Handy und Internet möglich waren - man hat sich einfach verabredet…

Erzählt wird hier nicht von überzeugten Revolutionären oder Kriminellen, sondern von jungen Menschen, die ihre Jugend genießen und am Ende trotzdem das Abitur in der Tasche haben.

Ein besonders echter Roman über das Lebensgefühl in den neunziger Jahren.
Michael PohlMichael Pohl, pohl@tagesblick.de
Journalist
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