In „Gefühlte Nähe“ erzählt Harald Martenstein von den Liebhabern einer Frau namens N. - über einen Zeitraum von Jahrzehnten und jeweils aus der Perspektive der Männer. Mit seiner gewohnt genialen Fähigkeit zur Beobachtung schildert er N. durch die Augen von 23 Männern und deren Lieben und Leiden. Ein komischer, trauriger und überraschender Roman. Ein privates Sittengemälde zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Als der Leser N. kennenlernt, ist sie Schülerin und in einen Lehrer verliebt, den sie auf einer Klassenfahrt verführt. Grundsätzlich träumt sie von der romantischen Liebe und einen Haus am See mit weißer Gartenbank. Doch auch wenn einige Affären zunächst in diese Richtung weisen, lässt N. sich nie in eine dauerhafte Beziehung einbinden - was bei den Männern auf äußerst unterschiedliche Reaktionen stößt. Während sie für einige nur eine Affäre oder ein schöner Zeitvertreib ist, leiden andere an N.s Verhalten und begehren sie ohne Sinn und Verstand, wie wohl nur Männer einer Frau verfallen können.
Die verschiedenen beruflichen und erotischen Stationen und ihre Protagonisten greifen ineinander und ergänzen sich und vermitteln so das Bild gut beobachteter sozialer Beziehungsgeflechte, wie sie wohl in Deutschland - und nicht nur hier - millionenfach existieren. |
Dass N. am Ende des Buches nur noch ein aufgeschwemmtes, verarmtes und nicht immer nüchternes Spielzeug eines Schriftstellers ist, zeigt auf brutale Weise die Unmöglichkeit der romantischen und andauernden Liebe.
Und die im Buch dargestellten Geschichten ereignen sich bestimmt oft. Doch stellen sie auch die einzig möglichen Optionen dar? Hier regt Martenstein den Leser zu eigenen Gedanken und Interpretationen an.
„Gefühlte Nähe“ ist ein unterhaltsamer und anregender Roman.
Harald Martenstein:
„Gefühlte Nähe“
C. Bertelsmann, 19,90 €
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