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Peter Heathers "Invasion der Barbaren"
10.06.2011
Es werde Europa
Es lohnt sich dieses Buch mit dem letzten Kapitel, bei der Geburt Europas, zu beginnen. Dann wird besonders deutlich, wie grundlegend die Veränderungen nach den großen Völkerwanderungen waren. Um das Jahr 890 n. Chr. herum fallen die Magyaren in Mitteleuropa ein, dringen bis nach Italien vor und richten dort schwere Verwüstungen an. Ein Chronist berichtet von 20.000 gefallenen Italienern - in einer Schlacht, an einem Tag. Doch auch wenn dieser Feldzug in vielerlei Hinsicht dem der Hunnen fast ein halbes Jahrhundert früher gleicht, bleibt die umwälzende Wirkung auf die europäische Bevölkerung aus. Keine Massenfluchten hinter sichere Grenzen eines römischen Reiches, keine Entwurzelungen kompletter Stämme, keine Entvölkerung ganzer Landstriche. Was war zwischen dem Hunnensturm und dem kaum minder brutalen, aber vergessenen Magyarenangriff geschehen? Dieser Frage geht Peter Heather in seinem exzellenten Buch „Invasion der Barbaren“ nach.

Mehr als sechzehn Jahre hat er an der Analyse geschrieben, die die Entstehung Europas beleuchten will. Heather erzählt diese Geschichte anhand von Migrationen und schlägt einen Bogen von den Anfängen der Wanderungen kurz vor dem Ende des Weströmischen Reiches bis hin zu den Ausläufern zur Jahrtausendwende. Die Fülle an Stoff, die dabei bearbeitet wird, ist beeindruckend und die detailreichen Schilderungen auch von vermeintlichen Nebenschauplätzen fordernd. Doch
das Buch lohnt sich, weil Heather es nicht bei nackten Beschreibungen von historischen Vorgängen belässt. Interessant ist vielmehr, wie er die verschiedenen Thesen und Ideen von Migration gegenüber stellt und sie auf ihre Plausibilität hin überprüft. Um ein differenzierten Bild zu erhalten, verknüpft er die Erkenntnisse von Geschichtswissenschaft, Archäologie und moderner Migrationsforschung. Das macht es ihm auch möglich, immer wieder Bezüge zur heutigen Zeit herzustellen.

Identitäten entstehen durch Druck, nicht durch eine bestimmte Haartracht

Eine wesentliche Rolle spielt für ihn das Entstehen von Identitäten. Seine Schilderungen erzeugen ein recht klares Bild davon, wie Zugehörigkeit vor 1500 Jahren entstand, wie schnell sie sich ändern konnte und wieder verging. Nach seinem Verständnis haben sich bei den Völkerwanderungen keine Völker auf den Weg gemacht, sondern zunächst Interessengruppen. Zwar kam es immer wieder vor, dass politischer Druck oder die Anziehungskraft der wirtschaftlichen Stärke Roms zehntausende Menschen auf den Weg schickte. Aber auch kleine Gruppen konnten große Veränderungen auslösen, wie er am Beispiel der Wikinger zeigt. Doch das gemeinsame Interesse konnte sich verflüchtigen oder verändern. Die Gruppen, ob es sich nun um Trecks mit Frauen und Kindern handelte oder nur um eine bestimmte Kriegerkaste, waren flexibel und anpassungsfähig, keine starren Organisationen. Bestimmend für die Handlungen waren der
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