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Buchrezension "Gefallene Sterne"
24.08.2011
Pannenshow mit Kachelmann, Sarrazin und Guttenberg
Die gefälschte Doktorarbeit des früheren Medienstars Karl-Theodor zu Guttenberg und sein schleichender Rücktritt hielt Deutschland für Wochen in Atem. Auch Prominente wie Claudia Pechstein oder Jörg Kachelmann haben die Presse für ihren Aufstieg genutzt und wurden während ihres Abstiegs ebenso intensiv begleitet. Die Journalisten Mark Podelnik und Karin Rieppel haben in dem Sachbuch „Gefallene Sterne“ nun die Geschichten von dreizehn Prominenten zusammen getragen und deren Medien-Karrieren nachgezeichnet. Doch das Versprechen, Licht in die Blackbox vom Zusammenspiel zwischen Medien und Prominenten zu bringen, halten die Autoren nicht. Die kondensierten Pleiten Pech und Pannen sind so ermüdend wie die zusammengeschnittenen Homevideos in Pannenshows der Privatsender und haben ebenso viel Tiefgang. Das mag auch daran liegen, dass weder Polednik noch Rieppel Experten in der Berichterstattung vor und nach Gerichtsverfahren sind.

Margot Käßmann als Comeback-Ikone

„Gefallene Sterne“ beginnt mit Margot Käßmann, ehemalige Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche. Sie trat von allen ihren Ämtern zurück, nachdem sie betrunken Auto gefahren und dabei erwischt worden war. Die Krise der Kirchenfrau und ihre zügige Rückkehr ins Rampenlicht illustriert die These der Autoren, dass nicht das Ereignis der eigentliche Skandal ist, sondern der Umgang damit. Käßmann habe schnell und konsequent gehandelt. Zudem stellte sie sich als „Frau der
biographischen Brüche“ dar und hatte es leichter, ihren Fehltritt mit ihrem öffentlichen Erscheinungsbild in Einklang zu bringen. Wer „Gefallene Sterne“ liest kommt zu dem Schluss: Weiße Westen nützen einem nur so lange etwas, wie sie niemand befleckt. Im Übrigen lebt es sich besser mit einem bereits ruinierten Ruf. Zu banal? Stimmt. Die Autoren beschränken sich darauf, die Geschichten den Prominenten lediglich nachzuerzählen und verpassen es damit, dem Leser wichtige Zusammenhänge aufzuzeigen.

Details versperren den Blick auf die Medienmechanik

Augenfällig wird das bei dem Beispiel Claudia Pechstein, der unter ständigem Dopingverdacht stehenden Eisschnellläuferin. Wegen der Vielzahl an Pressestatements aller Beteiligten, verfällt das Buch in einen „Ticker-Modus“. So versperrt die Schwemme an nebensächlichsten Details die Sicht auf die Mechanik der Medienwelt.

Besonders Fälle wie der des Wettermoderators Kachelmann hätten es verdient gehabt, mit einer größeren Aufmerksamkeit behandelt zu werden. Anwälte, die Staatsanwaltschaft, PR-Berater, seriöse Gerichtsreporter und die BILD-Kolumnistin Alice Schwarzer: Sie alle haben die Berichterstattung über das Gerichtsverfahren beeinflusst. Hinzu kommt ein Angeklagter, der im Internet über Twitter und Blogs fleißig für sich und seine Sache geworben hat. Das wird zwar brav beschrieben, eine Analyse fehlt jedoch. So bleibt letztlich unklar, wer einen Absturz beschleunigt oder wer die Rückkehr ins Rampenlicht ermöglichen kann. Lehren lassen
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