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Luxemburger Marc Theis fotografierte in der alten Conti-Fabrik
24.11.2011
Reifen und Graffiti
Seine neue Heimat Hannover lässt den Luxemburger Marc Theis nicht los. Nachdem er im letzten Jahr einen Bildband der weltbekannten Hannoveraner Rockband „Scorpions“ veröffentlichte, widmet er sich in seiner neuesten Fotosammlung der ehemaligen Conti-Reifenfabrik, einst der Stolz der niedersächsischen Landeshauptstadt. Seit 1995 steht das Areal leer. Und seither haben es Sprayer mehr oder weniger in Besitz genommen. Auf gut 120 Seiten hat Theis das heimlich-unheimliche Treiben der Sprayer dokumentiert, die er allerdings in der Entstehungszeit des Bildbandes nie zu Gesicht bekommen hat.

Mit dem ihm eigenen Gespür für die adäquate Art der Darstellung hat er sich für dieses Projekt für eine klare und geradlinige Art der Präsentation entschieden. Ganz bewusst hat er auf Spiele mit Licht und Schatten verzichtet und ausschließlich bei bedecktem Himmel fotografiert. Das verleiht den Fotos eine Präzision, bei denen das Objekt im Zentrum steht und sich so dem Betrachter in aller Eindeutigkeit darbietet.

Es wäre ein weiteres Beispiel eines Fotobandes über Ruinenarchitektur, wenn nicht die Sprayer die Ruinen zu neuen Kunstwerken verwandelt hätten. Und diese neu aus dem Alten entstandenen Kunstwerke würden der Öffentlichkeit ohne Theis' Bildband vorenthalten bleiben, denn das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich. Dass die Sprayerszene diese Gelände gewählt hat, ist erstaunlich und verständlich
zugleich.

Denn zum einen gibt es dort viele Wände, die direkt danach schreien, besprayt zu werden. Andererseits jedoch sucht die Szene normalerweise den öffentlichen Raum, um sich mitzuteilen- wenn auch meist sehr kryptisch. Die Conti-Sprayer zeichnen sich jedoch durch eine erstaunliche Vielfalt aus, die weit über das übliche Gekrakel an S-Bahnen und in Bahnhofs-Unterführungen hinausgeht.

(Marc Theis: Lost in Time. Peperoni Books Berlin 2011. 40 Euro)
Helmut UwerHelmut Uwer, uwer@tagesblick.de
Journalist
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