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Nach dem ersten Wundern kommt man ins Grübeln: Oettinger nach Brüssel? Da es sich um keine Falschmeldung handelt, was steckt dahinter?. Bei genauerem Nachdenken merkt man: Es ist wieder ein genialer Schachzug Angela Merkels, den baden-württembergi- schen Ministerpräsidenten nach Brüssel "abzuschieben".
Günther Oettinger hat sich im Laufe seiner Amtszeit in Baden-Württemberg nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn man es freundlich ausdrückt. Anders gesagt: Er hat seit 2005 ein paar handfeste Skandale produziert, über die jeder andere Politiker in jedem anderen Bundesland bereits ge- stolpert wäre. In Baden-Württemberg aber sitzt die CDU so fest im Sattel, ist so verfilzt und so stahlhart verkrustet, dass jede Kritik abprallt wie Wasser an Teflon.
Zur Erinnerung: Da war die berüchtigte Rede von Günther Oettinger zum Tode des Ex-Ministerpräsidenten im Ländle, Hans Filbinger, einer der Nazi-Richter, die in den letzten Kriegstagen noch Hinrichtungen befahlen, und der von Oettinger in seiner Rede in einem selten Anflug von unver- schämter Geschichtsklitterung zum Wider- standshelden gemacht wurde. Allein das wäre ein Rücktritt wert gewesen.
Es folgten u.a. der Rückkauf wertvoller antike Bücher aus dem Hause Baden für rund 17 Millionen, die aber, wie sich herausstellte, dem Land bereits gehörten. Dann plauderte Oettinger vertrauliche Börsendaten eines Unternehmens aus dem Ländle öffentlich |
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aus; es folgte ein Liederbuch, zu dem Oettinger das Vorwort schrieb und das die CDU an die Kreisverbände vertrieb. Darin war ein Panzerlied aus dem Liedgut der Nationalsozialisten enthalten. Das Lieder- buch mußte wieder eingesammelt werden. Dann folgte in aller Öffentlichkeit die Bezeichnung "Krampfadern-Geschwader" für die organisierten Unionsfrauen, für die sich Oettinger ebenso öffentlich entschuldigen mußte. Anschließend besuchte Günther Oettinger einen italienischen Restaurant- besitzer, gegen den in Deutschland die Staatsanwaltschaft ermittelte auf Mallorca. Anscheinend ein persönlicher Freund des Ministerpräsidenten, der aber einen Berg Schulden in Deutschland hinterließ und sich aus dem Staub machte.
Noch mehr? Richtig, das war das Teesieb-Gelage in der Landesvertretung in Brüssel. Dieses Utensil wanderte zur späten Stunde auf seine Augen von Oettinger, als nach Augenzeugenberichten der Ministerpräsident, der mit Journalisten kräftig gefeiert hatte, bereits unterm Tisch lag, und wie der Stern am 17. Dezember 2007 schrieb, laut Augen- zeugen gegen später "ins Bett getragen werden musste.
Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Deshalb war zwischenzeitlich auch das Maß der Toleranz der CDU in Baden-Württemberg erreicht. Mit jedem Tag wurden neue Skandale und Enthüllungen erwartet, zumal wie die Presse freundlich schrieb, Günther Oettinger ein "Lebemann" ist. Eine maßvolle Umschreibung für eine Tatsache, die Baden- |
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