Wenn am Sonntag das Erste das Drama um die Entführung einer Lufhansa-Maschine nach Mogadischu 1977 zeigt, wird Klar diesen Teil seiner Vergangenheit noch aus der Zelle verfolgen können. Mit der Entführung der „Landshut“ wollten palästinensische Gesin- nungsgenossen inhaftierte RAFler freipressen. Die deutsche Spezialeinheit GSG 9 befreite die Geiseln. Als Folge wurde der entführte Arbeitsgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer ermordet.
Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am Montag die vorzeitige Freilassung besch- lossen, da Klar sich unmissverständlich vom bewaffneten Kampf distanziert habe. Allerdings hat Klar öffentlich bislang genauso wenig Reue gezeigt wie alle vor ihm entlassenen Ex-Terroristen. Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, sieht das hingegen anders. Er beruft sich auf Briefe Klars, worin dieser Verständnis für den Schmerz der Ange- hörigen der Opfer äußere. Peymann hat Klar ein Praktikum im Theater angeboten sowie eine Ausbildung zum Bühnentechniker.
Klar hatte sich zuletzt im vergangenen Jahr mit einem Gnadengesuch an Bundes- präsident Horst Köhler gewandt. Diese hatte jedoch abgelehnt und Klar vorgeworfen, dass man nicht das Schweigen der Generation der Nazis zu ihren Taten kritisieren und gleichzeitig nichts zu den eigenen Taten sagen könne. Klar hat wie auch alle anderen Freigelassenen bislang nichts zur Aufklärung der RAF-Morde und Verbrechen beigetragen.
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Einigen gilt Klar als einer der Köpfe der zweiten Generation der RAF. Andere wie Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock halten ihn für überschätzt. Erwiesen ist seine Beteiligung an der Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto, der eigentlich entführt werden sollte. Bei der misslungenen Entführung soll Klar angefangen haben zu schiessen.
Bei mindestens zwei Taten ist die Kaltblütigkeit Christian Klars erwiesen, der ansonsten wegen Mittäterschaft verurteilt wurde. So feuerte er Anfang 1977 bei einer Ausweiskontrolle an der deutsch-schweizerischen Grenze in Riehen ohne Vorwarnung aus kurzer Distanz auf einen schweizer- ischen Grenzer, verfehlte diesen aber genauso wie einen Autofahrer, mit dessen Wagen er fliehen wollte.
Nach einem Überfall auf die Schweizerische Volksbank in Zürich 1979 verletzte er bei einem Schusswechsel auf der Flucht einen Polizisten schwer. Eine Passantin wurde getötet. Um an ein Fluchtauto zu kommen, zerrte er später eine Frau aus ihrem Auto und schoss ihr aus nächster Nähe in die Brust. Die Frau überlebte.
Ab Januar wird die 52-jägrige Birgit Hogefeld die letzte noch inhaftierte Ex-Terroristin sein. Sie gilt als Leitfigur der dritten und gut ab- geschotteten Generation, die für die Morde an Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder 1991 verantwortlich ist. Bis heute weiß die Polizei nicht, wer die Täter waren.
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