In Bayern ist die Welt schon lange nicht mehr in Ordnung. Seit der Entmachtung des langjährigen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber vor zwei Jahren geht es mit der CSU nur noch bergab. Nur noch 38 Prozent würden aktuell ihr Kreuz bei der einstigen „Staatspartei“ machen. Das ist ein Desaster für den vor zwei Jahren als einzig möglicher Retter in der Not angetretenen Seehofer. Absolute Mehrheiten wie früher scheinen in unerreichbare Fernen gerückt - wenn da nicht der neue Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg wäre.
Der amtierende Verteidigungsminister und Dauer-Shooting-Star der deutschen Politik hält nicht nur seit Monaten den Spitzenplatz der Beliebtheitsskala. Er gilt auch vielen in Bayern und der CSU als der bessere Parteichef und Ministerpräsident. Laut einer aktuellen „Stern“-Umfrage glauben 48 Prozent, dass die CSU auf mehr Vertrauen stoßen würde, wenn Guttenberg der Vorsitzende wäre. In Bayern sind es sogar 54 Prozent. Mit einer Entmachtung muss Seehofer auf diesem Parteitag aber noch nicht rechnen. Gewählt wird erst nächstes Jahr.
Dann aber hat der Verteidigungsminister beste Chancen, auch wenn andere wie Bayerns Umweltminister Markus Söder, Generalsekretärin Christine Haderthauer und EU-Parlamentarier Markus Ferber aus ihren Ambitionen kein Geheimnis machen. Die geben sich derzeit alle Mühe, Guttenberg zum Kanzlerkandidaten hochzuloben und den Freistaat als |
zu klein für den weltläufigen Baron zu erklären. Guttenberg scheint auch nichts nach München zu ziehen. „Ich gehöre hier gar nicht hin. Ich bin aus Berlin“, erklärte er kürzlich bei einem Heimatbesuch.
Wenn die Unzufriedenheit mit Seehofer jedoch ein weiteres Jahr anhält, wird Guttenberg sich dem einen oder anderen Ruf nicht entziehen können. Seehofers Sprunghaftigkeit ist vielen an der Basis ein Dorn im Auge. Mal ist er dafür, mal ist er dagegen. So ging bei Steuersenkungen, Wehrpflicht, Rauchverbot und Rente mit 67. Gebracht hat ihm das Hickhack überhaupt nichts. Die CSU wird in Berlin nicht mehr so wahr genommen wie früher unter Stoiber. Der war ein Machtfaktor. Seehofer ist bestenfalls ein Störfaktor. Er wird immer weniger ernst genommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist inzwischen dazu übergegangen, seine Einwürfe zu ignorieren und so zu tun, als sei man einer Meinung.
Auf dem Parteitag will Seehofer nun mit der Einführung einer Frauenquote punkten. Das wird aus zwei Gründen nicht einfach. Zum einen ist die CSU eine Männerpartei. Nur 19 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Darum soll die Quote auch nur für die Lands- und Bezirksebene gelten. Kreis- und Ortsebene bleiben genauso ausgenommen wie die Besetzung der Listenplätze für Bundestags- und Landtagswahlen.
Zum zweiten ist die |