In der Berliner Charlottenstraße liegen zwei Welten nah beieinander, die ferner kaum sein könnten. Inmitten der preußischen Prachtbauten des Boulevards Unter den Linden findet die Straße ihren Anfang. Und endet, ungefähr eineinhalb Kilometer weiter südlich, vor den Sozialbauten des Problemkiezes um den Kreuzberger Mehringplatz. Am oberen Ende der Straße stehen Paläste des Preußischen Königreiches. Am unteren Ende dominiert ein Prachtbau der Berliner Republik: Die Agentur für Arbeit.  Verwaltungspalast: Die Agentur für Arbeit

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Es ist ruhig am armen Ende der Charlottenstraße. Nur wenige Autos passieren die Arbeitsagentur. Einige Menschen sitzen an den Gehwegen und schlagen Zeit bis zu ihren Terminen im Amt tot. Gegenüber der Agentur reihen sich in Bauten der sechziger Jahre die Dienstleister der Arbeitslosigkeit. Firmen für Arbeitsvermittlung, Fort- und Weiterbildung haben sich direkt gegenüber der staatlichen Geldquelle angesiedelt. Arbeitslosigkeit bedeutet für diese Unternehmer Geschäft statt finanzieller Misere.
Die Arbeitsagentur ist ungemütlich genug, um den Besucher wissen zu lassen: Das ist kein Ort, an dem Du gerne sein sollst. Wir sind nicht zum verweilen da. Wir wollen Dich bald wieder loswerden. In den neunziger Jahren wurde ein Amtsgebäude aus Kaiserzeiten mit einem Neubau verschmolzen. Zwei Verwaltungspaläste, ähnlich in ihrer funktionalen Tristesse. Hier begreift man, was der rote Faden der deutschen Geschichte ist: Die steinerne Macht der Verwaltung. |