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Die Sommermode - Mal wieder eine Stilkritik
30.07.2009
Berlin
Wenn Kleidung die sichtbare und erweiterte Fortführung des inneren Selbst eines jeden Men- schen ist, dann ist es um den inneren Seelenzustand der meisten meiner Mit- menschen schlecht bestellt. Ein Gang durch das sommerlich Berlin bringt alte aber leider auch neue Modesünden an den Tag.

Nein, es geht diesmal nicht um die berüh- mten weißen Socken an Männerfüßen zu kurzen Hosen zur Sommerzeit. Schließlich ist auch der deutsche Mann (mehrheitlich) nach jahrelanger Rüge lernfähig. Positiv ist also, diese berühmte weiße Socken sieht man kaum noch im Straßenbild.

Das macht die Sache aber nicht wesentlich besser, denn nun werden die kurzen Hosen eben ohne Socken getragen. Aber auch ohne weiße Socken sind Männerbeine mehr- heitlich nicht ansehlich. Und wer immer die dreiviertel langen Outdoorhosen erfunden hat, der sollte gezwungen werden, sich diese neue Massen-Misere mal zwei Stunden lang zwangsweise anzusehen.

Ein Gang morgens in Berlin reicht, um den Tag gründlich zu verderben. Mann trägt jetzt diese beige-braun-undefiniertfarbenen Drei- viertelhosen, dazu nacktes Bein in klobigen Basketball-Turnschuhen oder wahlweise in schwarz-braunen Wander- stiefeln. Dazu ein verwaschenen blaues T-Shirt und Rucksack.

Soviel zur fast noch positiv nennenden Va- riante. Richtig schlimm wirds, wenn das T-Shirt der Wahl zur beschriebenen Outdoor-Hose bei Männern über 40 von Ed Hardy hergestellt wurde. Was um alles in der
Welt treibt Männer im schwer erwachsenen Alter dazu, T-Shirts anzuziehen, die bereits bei 18-Jährigen Zweifel an ihrem Geistes- zustand und Geschmack aufkommen las- sen?

Schlimmer noch, wenn sich dann schrei-bunte T-Shirts bei Männern von 50 plus unansehlich über den kugelrunden Bauch winden und darüber steht "Zuckerschnute" oder "Mammas Liebling" oder ähnlicher Unsinn. Was spricht denn eigenlich gegen ein kurzärmeliges Hemd? Außer dass es dem Träger mit Sicherheit zum Vorteil ge- reichen würde. Man ist schon vielfach ver- sucht sich kräftig fremdzuschämen. Der Unterschied zwischen 15 und 50 sollte zu- mindest dem 50-Jährigen bekannt sein. Was ist eigentlich so schlimm am erwachsen werden?

Genau dem gleichen Bann allerdings sollten all die Puma und Adidas-T- Shirts unter- worfen werden, die wahlweise zu diesen Outddorhosen getragen werden. Nein Männer, auch ein noch so teures Sport-Shirt kann den Verfall des Körpers nicht kaschi- eren, wenn im Sporthemd kein Sportler steckt.

Zur Ehrenrettung der Männer aber sei gesagt, dass es keineswegs so ist, dass nackte Frauenbeine per se besser aussehen würden - man hat sich nur mehr an sie gewöhnt. Aber jede Frau sollte vor dem Tragen eines kurzen Rockes oder einer kurzen Hose im Sommer kritisch in den Spiegel schauen. Nicht jedes Frauenbein ist schön, und wenn die Farbe bedrohlich an ausgekochte Hühnerbeine erinnert, so mag das zwar gesund sein, aber keineswegs schön.
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