Mit Botschafter Thomas Borer und fast noch mehr mit seiner damaligen Frau Shawne Borer-Fielding wurde die Schweiz in Deutschland plötzlich viel intensiver wahrgenommen. Die Deutschen merkten, dass die Schweiz nicht nur aus Heidi und Emil bestand. Die Feste zum Nationalfeiertag in der Botschaft avancierten zu einem der bedeutendsten gesellschaftlichen Ereignisse Berlins. Alles, was Rang und Namen hatte, gab sich an diesem Abend ein Stelldichein im Haus gleich neben dem Kanzleramt.
Nach Borers Abgang ging es mit dem Glanz und Glamour in der Botschaft jedoch immer mehr bergab. Schon im letzten Jahr fand sich kein Kanton mehr, der das Botschaftsfest finanziell und kulturell unterstützen wollte. Auch das schon zur Tradition gewordene kostenlose Risottoessen an einem prominenten Ort wurde gestrichen. In diesem Jahr wurde auch die abendliche Party vom Programm genommen, zu der früher wegen des sensationellen Feuerwerks auch immer viele Zaungäste gekommen waren.
In diesem Jahr beschränkt sich der 1. August auf einen Kindernachmittag mit Cervola und Rivella. Zudem wird der Seiltänzer Dimitri zwischen Botschaft und Kanzleramt Nachhilfe in diplomatischen Seiltanz erteilen. Als Grund für den Kurswechsel nannte der neue Botschafter Tim Guldimann vor kurzem, dass es nicht mehr gelungen sei, einen Gastkanton zu finden.
Ganz anders sieht das Fidel Stöhlker, Delegierter des Verwaltungsrates |
des Zürcher Unternehmensberaters Stöhlker AG. Er glaubt nach wie vor an ein Konzept. Zusammen mit Borer hat er vor zehn Jahren die glamourösen Feste mit Unterstützung zahlreicher Sponsoren ins Leben gerufen. Auf bis zu einer Dreiviertel Million Franken summierte sich das Sponsoring in den besten Zeiten. Borers Nachfolger Werner Baumann habe dann etwas weniger Borerlike auftreten wollen, doch sei es mit den Festen im wesentlichen unverändert weitergegangen.
Mit Baumanns Nachfolger Christian Blickenstorfer sei dann die Wende eingetreten. In seiner Ägide sei der 1. Augst auf der Botschaft von einem „Topevent zu einem Flopevent“ abgesackt. Die bis dahin kostenlosen Dienste seines Unternehmens seien dann vor zwei Jahren plötzlich nicht mehr gefragt gewesen. Heute habe der 1. August in Berlin „null Ausstrahlungskraft.“
In einem Blog unter dem Titel „Der peinlichste Schweizer Nationalfeiertag“ u.a. bei der deutschen Wochenzeitung „Freitag“ geht Stöhlker noch härter mit dem letztjährigen Event ins Gericht. Von langen Wartezeiten bis Programmbeginn und dem schnellen Ende des Buffets ist die Rede sowie von einer niedrigeren Teilnehmerzahl an dem Fest, das zu Spitzenzeiten 2.500 Menschen in seinen Bann zog. Auch traf man im vergangenen Jahr viele Gäste, die die Einladung von ihrem Chef erhalten hatten.
Stöhlker kritisiert zudem, dass vor zwei Jahren ein damaliger |