Berlin hatte für Schweizer Künstler schon immer etwas Faszinierendes. Gottfried Keller schrieb in seiner Berliner Zeit den „Grünen Heinrich.“ Während Robert Walsers Berliner Jahren entstanden die „Geschwister Tanner“, „Der Gehülfe“ und „Jakob von Gunten.“ Adolf Muschg war einige Jahre Präsident der Akademie der Künste. Pascal Mercier ist unter seinem bürgerlichen Namen Professor für Philosophie an der Freien Universität. 16 Ateliers von Kantonen, Städten, Unternehmen und Stiftungen transferieren immer neue Schweizer Künstler in die deutsche Hauptstadt.
Heute leben schätzungsweise 2.000 bis 3.000 Schweizer Künstler in Berlin. Insgesamt sind etwa 4.000 Schweizer bei ihrer Botschaft in Berlin immatrikuliert. Die genaue Zahl kennt niemand, da viele sich nicht angemeldet haben oder nur einen Zweitwohnsitz an der Spree haben. Die Bedeutung der deutschen Hauptstadt für die Schweizer Kunstszene lässt sich vielleicht in folgendem Satz veranschaulichen: „Die halbe Schweizer Filmszene lebt in Berlin.“
Der das sagt, muss es wissen. Der Schauspieler René Schoenenberger lebt seit über 20 Jahren in Berlin. Zusammen mit dem Drehbuchautor Felix Benesch und die Bühnenbildnerin Maja Zogg hat er vor einem Jahr den Helvti-Treff ins Leben gerufen. Anlass war ein Rausschmiss. Schoenenberger wollte nämlich am 1. August mal wissen, wie in der Botschaft gefeiert wird. Das Fest zum Nationalfeiertag aber war nur |
für geladene Gäste, zu denen der Schauspieler nicht gehörte. Schoenenberger hinterliess seine Visitenkarte und erhielt schon am nächsten Tag einen Anruf aus der Botschaft.
Gabriela Eigensatz, die Leiterin der Kulturabteilung, lud ihn und Maja Zogg zum Kaffee ein. In diesem Gespräch machten die beiden Schweizer Künstler deutlich, dass ihnen ein Ort in Berlin fehle, wo sich Kunstschaffende treffen könnten, erinnert sich Eigensatz. So entstand die Idee, den „Helvti-Treff“ ins Leben zu rufen. Der Name nimmt zum einen Bezug auf den Ort der Treffen, der Kreuzberger Szene-Beiz Helvetia-Röschtibar. Maja Zogg kennt deren Inhaber Herman Rohner aus gemeinsamem Zeiten in der Filmproduktion. Der Name erinnert aber auch daran, dass man sich immer in der Monatshälfte trifft. Nicht zuletzt habe es in Zürich in der Nähe vom Stauffacher auch einmal eine legendäre Helvti-Bar gegeben, ergänzt Schoenenberger.
Schon beim ersten Treffen im November 2009 kamen mehr als vierzig Künstler. Schon da sei ihnen klar geworden, dass man die Treffen „gestalten muss“, erläutert Benesch, „das ist nicht nur ein Stammtisch, wo man sich auf die Schultern klopft.“ So kam man auf die Idee, die Treffen mit Kurzvorträgen interessanter zu gestalten. Benesch selber hatte sich an einem Abend dem Thema Lügen verschrieben. Adam Tellmeister, bekannt geworden als |