Mit einer Gedenkveranstaltung gedachten rund 100 Berliner am Donnerstagnachmittag sieben jüdischen Anwohnern der Rosa-Luxemburg-Straße 18, die 1942/43 deportiert und ermordet worden sind. Sieben Stolpersteine des Künstlers Günter Demmig erinnern vor dem Haus im Bezirk Berlin-Mitte an die Familie Rosentreter, das Ehepaar Joelsohn und Jenny Glück. Diese sieben Menschen hatten lange Jahre in der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße 24 gewohnt. Sie waren Teil der damals großen jüdischen Bürgerschaft Berlins.
Die Stolpersteine wurden auf Betreiben der Initiative „Mitte gegen Rechts“ verlegt. Anwohner und Gewerbetreibende in der Gegend um den Rosa-Luxemburg-Platz sind aktiv geworden, nachdem in der Rosa-Luxemburg-Straße im Februar diesen Jahres das Geschäft „Tønsberg” eröffnet hatte. „Tønsberg“ verkauft insbesondere in der rechtsextremen Szene beliebte Marken, insbesondere das Label „Thor Steinar“. Mit dem Laden im prestigeträchtigen Modeviertel in der Nähe des Hackeschen Marktes will sich die Kette in der Mitte der Stadt etablieren.  Der Bürgermeister von Berlin-Mitte, Dr. Christian Hanke

|
„Thor Steinar“ spielt gezielt mit rechtsradikaler Symbolik. Auf der Kleidung des Unternehmens finden Zeichen Verwendung, die - anders als das Hakenkreuz - nicht auf den ersten Blick mit dem Nationalsozialismus konnotiert sind. Ein, zunächst in Berlin verbotenes, dann wieder zugelassenes Logo des Bekleidungsunternehmens beispielsweise war aus zwei Runen zusammengesetzt, die zur Zeit des Nationalsozialismus besonders in SS-Kreisen beliebt waren. Mit derartigen Spielereien hat sich „Thor Steinar“ als Lieblingsmarke der rechtsradikalen Szene etablieren können.
Bürgerinitiative gegen Rechts
Die Initiative „Mitte gegen Rechts“ klärt seit einigen Monaten über den ideologischen Hintergrund des Ladens „Tønsberg“auf. Seit mehreren Wochen ist eine Straßenausstellung in der Rosa-Luxemburg-Straße zu sehen, in der über die Geschichte der Straße und die Hintergründe des jetzigen Protestes informiert wird.
Das stößt bei der rechten Szene offensichtlich nicht auf Gegenliebe. Die Organisatoren der Initiative erhalten seit mehreren Wochen Besuch von kräftigen jungen Männern in „Thor Steinar“-Kleidung. Am Mittwoch dieser Woche wurde der Geschäftsführer des „Tønsberg“-Geschäfts selbst aktiv. Er stattete einer der Initiatorinnen von „Mitte gegen Rechts“ einen Besuch in ihrer Galerie „emyt“ ab. Trotz mehrmaliger Aufforderung verließ der unfreundlich auftretende Geschäftsführer die Räume der Galerie nicht. Bevor er schlussendlich ging, bedrohte er die Pressesprecherin von „Mitte gegen Rechts“ mit den Worten, sie solle auf ihre Gesundheit achten und beleidigte andere Anwesende grob. |