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Seltmann: Eines der zentralen Ergebnisse ist, dass wir auf Grundlage der Analysen unserer Wissenschaftler bereits im Jahr 2006 den Höhepunkt der Erdölförderung, den sogenannten „peak oil“, erreicht haben. Es wird oft darüber gestritten, wann und ob überhaupt dieser Punkt erreicht wurde. Selbst wenn man den „peak oil“ erst 2008 oder 2009 erwartet, ist die zweite Erkenntnis, die wir gewonnen haben, noch viel spannender: Nach dem Erreichen des Förderhöhepunkts wird die Förderung massiv zurückgehen. Wir gehen davon aus, dass sich die verfügbare Ölmenge bis zum Jahr 2030 halbieren wird. Das stellt unsere Wirtschaft und die Politik vor große Aufgaben.

An dieser Stelle möchte ich auch darauf hinweisen, dass neben dem viel diskutierten „peak oil“ zwei weitere Höhepunkte wichtig sind, die nachweislich schon stattgefunden haben.

tagesblick: Welche Höhepunkte sind das?

Seltmann: Da ist zum einen der Höhepunkt der Erdölfunde, der auf Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts datiert wird. Zum Zweiten wird seit 1986 mehr Erdöl verbraucht als neu gefunden wird. Der Höhepunkt der verbleibenden Erdölreserven ist also ebenfalls längst überschritten.

tagesblick: Das heißt, das Öl geht uns schneller aus, als viele Experten bisher ver- muteten?

Seltmann: Wir haben einen Punkt erreicht, an dem die Nachfrage weiter steigen wird, das Angebot jedoch zurückgehen wird. Dies drückt sich auch in den derzeitigen Ölpreisen aus. Und der Großteil der Preis- steigerung ist eben nicht auf Spekulationen zurück- zuführen, sondern auf dieses Missverhältnis von Angebot und Nachfrage. Insofern geht uns das Öl in der Tat schneller aus, als viele Experten bisher vermutet haben.

tagesblick: Aber der Konzern BP zum Beispiel verbreitet immer wieder die Nach- richt, dass die Ölreserven, entgegen Ihren Ausführungen, jedes Jahr sogar noch zu- nehmen. Was stimmt denn nun?

Seltmann: Diese scheinbare Diskrepanz in der Analyse der Ölreserven lässt sich leicht erklären: Die Industrie legt bei ihren Be- rechnungen kaufmännische Betrachtungen zugrunde. Das heißt, die heutige Höher- bewertung bereits bekannter Ölfelder wird nicht auf das Jahr des Fundes zurückdatiert. Dies muss man jedoch machen, wenn man wirklich wissen will, wann dieses Öl gefunden wurde. Wenn heute festgestellt wird, dass man aus einem bestehenden Ölfeld zum Beispiel zehn Prozent mehr Öl rausholen kann, haben Sie dieses Öl zu der Zeit gefunden, als das Ölfeld entdeckt wurde und eben nicht heute. Deshalb sollte bei solchen Analysen die geologische Betracht- ungsweise im Vordergrund stehen. Alles andere ist eine Verfälschung der Tatsachen.

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1 Kommentar
 
1) Schönes Interview, habe es bereits verlinkt: http://www.peak-oil.com/ . Hoffen wir, die Informationen verbreiten sich und wir beginnen, gemeinsam über gangbare Alternativen nachzudenken.
Kommentar von Peak-Oil.com | 26.08.2008 @ 19.49 Uhr
 
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