Das derzeit oftmals eingesetzte Autogas (LPG) weist dagegen lediglich Reduktionspotenziale in Höhe von 14 Prozent auf.
Dieses Potenzial wird nochmals deutlich erhöht, wenn zusätzlich Bio-Erdgas in das Erdgasnetz eingespeist und als Kraftstoff verwendet wird. Im Durchschnitt steigt bei einem 20prozentigen Anteil von Biomethan das Potenzial zur Reduzierung der Treibhausgase auf 30 Prozent.
Darüber hinaus weisen gasbetriebene Nutzfahrzeuge mit Ottomotoren im Vergleich zu Dieselfahrzeugen geringere Lärmemissionen auf - etwa 25 Prozent. Ein aktueller Feldversuch eines Logistikbetriebs, den die Grazer Energieagentur betreut, erreicht gar eine Reduzierung der Lärmemissionen um bis zu 50 Prozent. Da Lärm in Deutschland die am stärksten empfundene Umweltbeeinträchtigung darstellt, ist diese Tatsache ein weiteres starkes Argument für den Einsatz von Erdgas als Kraftstoff.
Vorteile für Umwelt und Geldbeutel
Die beschriebenen Minderungspotenziale beim Erdgas sind zudem gegenüber den elektrifizierten Antriebsformen relativ preisgünstig zu heben. Während beim Gaseinsatz lediglich Anpassungen am Motor vorgenommen und ein neues Tanksystem integriert werden müssen, stehen die effizienten Elektroantriebe noch am Anfang ihrer Entwicklung und sind somit deutlich kostenintensiver.
Aber auch für den Verbraucher bietet Erdgas finanzielle Vorteile - und das sollte letztlich das Entscheidende sein. Vergleicht man die Preise hinsichtlich des Energiegehaltes ist Erdgas bereits heute etwa 50 Prozent günstiger als Benzin. |
Leider ist dieser Preisvorteil aufgrund der Art und Weise der Auszeichnung an den Tankstellen für die Kundennicht erkennbar. Denn häufig vergleicht dieser die ausgewiesenen Preise der verschiedenen Kraftstoffe, ohne den unterschiedlichen Energiegehalt zu berücksichtigen. Dabei liegen den verschiedenen Sorten unterschiedliche Mengenabgaben zugrunde: Liter für Benzin, Diesel und Autogas; Kilogramm für Erdgas; sowie künftig Kilowattstunden für Strom und ggf. Kilogramm für Wasserstoff. Zur Herstellung einer Transparenz für den Verbraucher ist eine Umstellung der derzeitigen Preisauszeichnung auf die konkrete Angabe der Energieinhalte der Kraftstoffe äußerst sinnvoll.
Hausaufgaben für alle Akteure
Wenn die dargestellten Potenziale von Erdgas und Bio-Erdgas im Verkehrssektor in den nächsten Jahren realisiert werden sollen, ist ein koordiniertes Vorgehen von Politik, Gaswirtschaft und Automobilherstellern notwendig. Neben der bereits erwähnten nötigen Preis-Transparenz an Tankstellen müsste die Politik auch ein steuerpolitisches Signal setzen. Was ab 2015 für Biokraftstoffe gilt, kann auch im fossilen Sektor Anwendung finden - eine Besteuerung auf Grundlage der Treibhausgasemissionen, insbesondere der Kohlendioxidemissionen. Damit würde die aktuelle Benachteiligung von Erdgas gegenüber Autogas beseitigt und Wettbewerbsgleichheit hergestellt. Weitere Möglichkeiten sind die steuerliche Bevorzugung energieeffizienter Dienstwagen sowie finanzielle Unterstützung der Anschaffung effizienter Automobile.
Gleichzeitig ist die Gaswirtschaft gefordert, das Tankstellennetz in Abhängigkeit von der Nachfrage auszubauen. Insbesondere entlang der Autobahnen gibt es diesbezüglich noch großen Ausbaubedarf. |