In der (fach)öffentlichen Diskussion über die zukünftige Weltenergieversorgung spielt die Frage nach den verfügbaren Ölvorkommen eine zentrale Rolle. Doch wie lange reichen die Erdgasvorkommen und welche Potenziale sind noch erschließbar? Hierzu erarbeitet die Energy Watch Group aktuell eine Studie.
Damit legt die Energy Watch (EWG) Group demnächst ihre vierte - nach Studien zu Erdöl, Kohle und Gas - Ressourcenstudie vor. Dabei werten die Wissenschaftler der EWG alle verfügbaren Datenquellen aus - von Industrie und Wissenschaft bis hin zu Einzelfelddaten der großen Förderregionen. Im August 2008 hatte der Projektmanager der EWG, Thomas Seltmann, in einem Interview mit tagesblick.de die wichtigsten Erkenntnisse der Ölstudie erläutert.
Nicht konventionelles Erdgas
Im Zusammenhang mit der Frage nach den Erdgaspotenzialen hat die EWG kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin eine Kurzstudie von Dr. Werner Zittel zu den Vorkommen und Fördermöglichkeiten von sogenanntem unkonventionellem Erdgas vorgestellt. Hierbei handelt es sich um Gasvorkommen aus Schiefergestein („Shale-Gas“), aus dichtem Gestein („Tight-Gas“) oder aus Kohleflözen („Coalbed Gas“). Besonders die Gasvorkommen aus Schiefergestein zählen derzeit in der europäischen Energiewirtschaft zu den Hoffnungsträgern. In den USA hat bereits ein Boom zur Erschließung der Shale-Gasvorkommen eingesetzt. Erstes Ziel ist es, die USA wenn möglich weitgehend von Energieimporten unabhängig zu machen. |
Da in Europa bisher noch keine kommerziellen Erfahrungen mit dieser Art der Gasförderung vorliegen, beschreibt die Studie beispielhaft entsprechende Aktivitäten in den Vereinigten Staaten.
Zudem setzt sich die Kurzstudie auch mit den Auswirkungen der Fördertechniken auf Mensch und Umwelt auseinander. So setzt eine Förderung von Shale-Gas kanzerogene und biozide Chemikalien in der Umwelt frei. Sicher auch ein Grund dafür, dass der Förderboom in den USA erst nach Lockerung der Umweltgesetzgebung für Öl- und Gasfirmen im Jahr 2005 einsetzte. Darüber hinaus führt eine fortschreitende Förderung zu einer Annäherung der Gasförderanlagen an Wohngebiete, was neben steigenden Lärmbelästigungen und Emissionen auch zu einer Gefährdung des Trinkwasservolumens führen kann.
Die Diskussion über die Förderung unkonventionellen Erdgases in Deutschland und Europa steht also noch bevor. Hierzu leistet die Kurzstudie einen wichtigen Beitrag. Zumal dieses Thema sicher auch in der Studie über die weltweite Erdgasförderung eine Rolle spielen wird.
Über die Energy Watch Group
Die Energy Watch Group ist ein internationales überparteiliches Netzwerk aus Wissenschaftlern und Parlamentariern. Träger der EWG ist die Ludwig-Bölkow-Stiftung. In ihren Studien bezüglich der Vorkommen bestimmter Rohstoffe entwickeln die Autoren Szenarien und Prognosen, die mit den zugrunde liegenden Fakten in Einklang stehen und als objektive Entscheidungsgrundlage für Politiker und Wirtschaftsvertreter hilfreich sein sollen.
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