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„Laufzeitverlängerung gefährdet Wettbewerb und Modernisierung in der Stromerzeugung“
09.08.2010
Interview
Bei der öffentlichen Diskussion um die Zukunft der Atomkraft stehen meist die Endlagerprob-lematik und die Auswirkungen auf den Ausbau erneuerbaren Energien im Mittelpunkt. Doch es gibt auch gewichtige wettbewerbspolitische und ökonomische Argumente gegen eine Laufzeitverlängerung. Hierüber sprach tagesblick mit Dr. Matthias Dümpelmann, Geschäftsführer von 8KU, einem Zusammenschluss von acht großen Stadtwerken.


tagesblick: Welche Folgen hätte eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke für Stadt-werke, insbesondere für jene mit eigenen Kraftwerken?

Dümpelmann: Die Laufzeitverlängerung würde eine radikale Veränderung der vordem über rd. 10 Jahre einigermaßen stabilen Rahmenbedingungen für Investitionen bedeuten. Die seinerzeitige Begrenzung der Laufzeiten stand ja in zeitlichem und inhaltlichem Zusammenhang mit der Liberalisierung des Energiemarktes. Es ging nicht nur um die Beruhigung der damals aufgeheizten Atomenergiedebatte. Es ging um Anreize für neue Marktteilnehmer im Bereich der Stromerzeugung und um die Reduzierung der Marktanteile der großen Erzeuger. Diese hatten, das darf man nicht vergessen, ihre Anlagen vor der Liberalisierung ohne jegliches Marktrisiko gebaut.

Eine Verlängerung der Laufzeiten dieser in Vorwettbewerbszeiten errichteten und abge-schriebenen Anlagen verdrängt nun Strom aus neueren, noch nicht abgeschriebenen Anlagen vom Markt. Damit steigen die Marktanteile und die Erträge der Kernkraftbetreiber. Umgekehrt sinken die Erträge und Marktanteile der anderen Anbieter, nicht zuletzt der Stadtwerke.

Der Anreiz für zusätzliche moderne Anlagen, zum Beispiel für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), sinkt, weil der vorhandene Atomstrom den Markt verstopft. Zukünftige Marktchancen - ganz gleich für welchen Anbieter - sinken.


Das von Monopolkommission und Bundeskartellamt bereits in der Vergangenheit kritisierte Erzeugungsoligopol der vier Kernkraftbetreiber würde sogar noch erheblich gestärkt. Der Wettbewerb würde erheblich geschwächt.

tagesblick: Können Sie diese wirtschaftlichen Nachteile auch in konkreten Zahlen darstellen?

Dümpelmann: Alleine schon eine Laufzeitverlängerung um acht Jahre würde für die Betreiber zu Zusatzerlösen von bis zu 57 Mrd. Euro führen. Auf die Stadtwerke kämen Mindererlöse in Höhe von über 3 Mrd. Euro zu. Der Marktanteil der Kernkraftbetreiber würde von 81% auf 84% zuneh-men und der Anteil der Stadtwerke von 10% auf 7,8% zurückgehen.

tagesblick: Wie wirkt sich die aktuelle Diskussion um eine Laufzeitverlängerung auf die Investitionsbereitschaft der kommunalen Unternehmen aus?

Dümpelmann: Die durch die Laufzeitverlängerung erzeugte Verschlechterung der Wettbewerbsaussichten führt dazu, dass zahlreiche Projekte für eine klimaschonende, dezentrale Energieversorgung, nicht zuletzt in KWK, auf Eis gelegt werden.Dr. Matthias Dümpelmann (l.) im Gespräch mit tagesblick-Redakteur Michael Pohl
Dr. Matthias Dümpelmann (l.) im Gespräch mit tagesblick-Redakteur Michael Pohl

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