Wenn über die zukünftige Energiepolitik und das Energiekonzept der Bundesregierung geschrieben oder gesprochen wird, geht es meist und oft ausschließlich um die Frage einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Doch Energiepolitik ist weit mehr als dies. Eine weitergehende Analyse des gestern veröffentlichten Gutachtens, das als Basis für das Energiekonzept dienen soll.
10 Jahre, 15 Jahre oder doch 20 Jahre - die Frage nach der Länge der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke beherrscht derzeit die energiepolitische Diskussion, sowohl bei Politikern als auch in den Medien. Ende September möchte die schwarz-gelbe Bundesregierung ihr Energiekonzept vorlegen und damit aufzeigen, wie aus Sicht von CDU/CSU und FDP die Energiepolitik bis zum Jahr 2050 gestaltet werden soll. Als Basis für dieses Konzept dient eine gemeinsame Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI), der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und der Prognos AG, die gestern veröffentlich wurde.
Hierbei haben die Wissenschaftler insgesamt neun Szenarien berechnet, darunter das sogenannte Referenzszenario, in dem die bislang angelegten Politiken in der Zukunft fortgeschrieben werden. Allerdings ergeben sich vier dieser Szenarien aus unterschiedlichen Nachrüstkosten für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. In der öffentlichen Debatte scheint es, als baue die Bundesregierung ihr Energiekonzept um die Frage der Atomkraftwerke herum auf. |
Ein Eindruck, den die Regierung schon aus Gründen der eigenen Glaubwürdigkeit vermeiden sollte. Es lohnt sich, auch andere Annahmen in der Studie näher zu betrachten.
Der Weg ins regenerative Zeitalter
Die Studie unterstellt in den Szenarien mit Laufzeitverlängerung für das Jahr 2050 einen Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 77 bis 81 Prozent. Im Referenzszenario ohne Laufzeitverlängerung wird bemerkenswerterweise ein Anteil der regenerativen Energien von nur 54% im Strombereich unterstellt. Warum eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und damit höhere verfügbare Strommengen gerade zu einem höheren Anteil der Erneuerbaren führen sollen, wird leider nicht erläutert. Zudem liegen die erwähnten 81 Prozent Anteil regenerativer Energien deutlich unter den auch von Union und FDP angestrebten Zielen für das Jahr 2050. So wurde vor kurzem im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages eine Studie des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) vorgestellt, die eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien im Strombereich bis zum Jahr 2050 beschreibt.
EEG abschaffen - Verlagerung ins Ausland
Für Aufsehen dürfte auch die Tatsache sorgen, dass die Wissenschaftler unterstellen, dass die Förderung der erneuerbaren Energien in Deutschland nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab dem Jahr 2020 eingestellt wird. Stattdessen sollen die Stromimporte auch aus regenerativen Quellen aus dem Ausland ansteigen. Inwieweit sich diese bisher nicht beachtete Unterstellung mit der bisherigen |