Im Mai dieses Jahres wurde mit „EnBW Baltic 1“ des Energieversorgers EnBW der erste kommerzielle Offshore-Windpark in Betrieb genommen. Derzeit sind weitere Parks in Ost- und Nordsee im Bau. Nach fünf Monaten Betriebszeit fragte tagesblick.de nach den wichtigsten Erfahrungen und Plänen für die Zukunft.
Wer an den baden-württembergischen Energieversorger (EnBW) denkt, denkt wahrscheinlich zuallererst an Atomkraftwerke und den Ärger um den Kauf von Firmenanteilen durch den ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU). Doch auf dem Gebiet der Offshore-Windparks zählt der drittgrößte deutsche Energieversorger mit Sitz in Karlsruhe zu den Pionieren. Im Mai dieses Jahres nahm EnBW den ersten kommerziellen Windpark „EnBW Baltic 1“ in Betrieb. Selbst die Kanzlerin ließ es sich nicht nehmen, zur Eröffnung vorbeizuschauen. Doch was treibt einen Konzern, der bisher gutes Geld mit Atomenergie verdiente, dazu, riesige Summen in erneuerbare Energien zu investieren? Eine Antwort auf diese Frage gibt Stefan Kansy, Leiter der „Engineering Wind Offshore“ unter dem Dach der EnBW Erneuerbare Energien GmbH: „Mit Investitionen in erneuerbare Energien und der weiteren Optimierung ihres Kraftwerkparks verfolgt die EnBW das Ziel, ihre CO2-arme Erzeugungsposition zu erhalten. Hierzu wollen wir den Anteil an erneuerbarer Energie insbesondere durch Wind- und Wasserkraft weiter erhöhen. Bis 2020 wollen wir - sofern möglich - rund 3000 MW installierte Leistung aus erneuerbaren Energien zubauen.“
Riesen im Wasser
Ein erster wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist der Offshore-Windpark Baltic1. 16 Kilometer nördlich der Halbinsel Darß/Zingst ragen auf einer Fläche von 7 Quadratkilometern 21 Windkraftanlagen in den Himmel. Zusammen verfügen sie über eine Leistung von 48,3 MW, was in den nächsten dreißig Jahren einen jährlichen Ertrag von 185 GWh entspricht. Und auch die Errichtung eines solchen Windparks verlangt große Anstrengungen. Jede Anlage verfügt über 37 Meter lange Fundamente, die sogenannten Monopiles, die mit einer gewaltigen Ramme in den Meeresboden getrieben werden. Hinzu kommt auf dem Meeresboden eine Sicherung gegen Strömung und Gezeiten, in 16 bis 19 Meter Wassertiefe auch dies eine technische Meisterleistung. Alle Anlagen sind mit einem parkinternen Netz miteinander verbunden. Der erzeugte Strom wird im Umspannwerk auf See hochtransformiert und über ein Seekabel in das Übertragungsnetz an Land eingespeist. |
Strom fürs ganze Land
Genau hier, beim Anschluss des Windparks an das deutsche Stromnetz, liegt die nächste große Herausforderung: Die Übertragungsnetzbetreiber sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Anschlusspunkte für den Strom vom Meer zu bauen. Schließlich soll dieser dann in Deutschland dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. Auch die Netzbetreiber leisten hierbei technisch anspruchsvolle und kapitalintensive Pionierarbeit. Neben dem viel diskutierten Netzausbau an Land ist der Anschluss der Offshore-Windparks eine weitere Säule der Energiewende.  Umspannwerk auf See

Im Auge des Schweinswals
Besonders von Umwelt- und Tierschutzorganisationen wird häufig eine mögliche Beeinträchtigung der Meeresbewohner, in diesem Fall der Schweinswale, kritisiert. Hierzu befragt, erläutert Stefan Kansy, dass sowohl im Vorfeld der Baumaßnahmen als auch bei der Errichtung der Offshore-Windparks ein effektiver Unterwasser-Lärmschutz verfolgt wurde. Und auch während der bauvorbereitenden Offshore-Arbeiten für EnBW Baltic 2 wurde ein aufwendiger Versuch zur Unterwasserschallminderung mit Erfolg durchgeführt.
Darüber hinaus gewährleisten auch Maßnahmen, wie unter anderem ein ökologisches Begleitmonitoring, der Einsatz von Schweinswal-Detektoren und Vergrämung sowie die nur langsame Steigerung des Lärmpegels beim Rammen einen größtmöglichen Schutz der betroffenen Tiere.
Im Mai 2011 hat die EnBW darüber hinaus gemeinsam mit insgesamt acht Errichtern und Betreibern deutscher Offshore-Windparks unter dem Dach der „Stiftung Offshore Windenergie“ ein Forschungsprojekt angestoßen, bei dem verschiedene Methoden zur |