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und dann merkt man als Zuschauer nicht nur den stockend vorgetragenen Text, sondern auch die fehlende Live-Erfahrung, solche Situationen soueverän zu überstehen.

Mangelnde Erfahrung kann man Schmiese nun schlecht vorwerfen, aber ein Moderator, der aus dem Fersehgeschäft kennt, der weiß wie der Vorlauf solcher Sendungen ist, der das Handwerk beherrscht, auch wenn er selbst nie vor den Kamera stand, tut sich einfach leichter.

Die Erfahrung wird sicher kommen, was aber vielleicht nicht kommen wird, ist die Wirkung auf dem Bildschirm. Es gibt Menschen, an denen würde man im normalen Leben achtlos vorbeigehen, weil sie so gar nichts ausstrahlen. Sobald aber eine Kamera auf sie gerichtet wird, werden es unver- wechselbare Charaktere. Diese Eigenschaft hat man, oder man hat sie eben nicht. Das kann man nicht lernen. Wulf Schmiese hat sie nicht.

Zudem hat er sich die verbreitete Eigenschaft vieler Zeitungskorrespindenten angewöhnt, die im politischen Geschäft in Berlin die politischen Analysen schreiben: Sie fragen nicht mehr, sie werfen ihrem Interviewpartner nur noch ihre eigenen politischen Thesen an den Kopf und er soll dazu Stellung nehmen. Wirkliches Interesse an der Meinung des Gegenüber besteht nicht mehr. Der Politiker kann nur noch zu "Vorurteilen" oder Weltsichten des Journalisten Stellung nehmen.

Genau diese Haltung aber wollte sich Richard von Weizsäcker am Freitag nicht bieten lassen. Er war im Vorfeld seines 90sten Geburtstages ins Morgenmagazin eingeladen und sollte von Schmiese interviewt werden. Doch Schmiese fragte nicht, er konfrontierte den Alt-Bundes- präsidenten mit seinen fertigen Thesen über dessen Leben und Arbeit. Von Weizsäcker reagierte nicht nur gereizt, sondern kanzelte den neuen Moderator geradezu ab. Er würde "Unsinn" erzählen, so Weizsäcker zu Schmiese, "falsch zitieren", nur "vorgefertigte oberflächliche Schlagworte" verwenden. Dabei redete sich der Alt-Bundespräsdent richtig gehend in Rage und wendete sich körperlich vom Fragesteller sogar ab. Selten ist ein Moderator so düpiert worden - aber nicht nur zu unrecht.

Leider änderte Wulf Schmiese seine Frage- technik nicht und signalisiert dadurch, dass ihn andere Menschen nicht interessieren. Ob das wirklich so ist, kann hier nicht beurteilt werden. Es wirkt allerdings so. Zudem kommt eine äußerst distanzierte Mimik, Gestik und Körperhaltung, der so jede Verbindlichkeit fehlt und dann die steife Präsentation, die der mangelnden Erfahrung geschuldet ist. Am Ende der Woche stellt sich wirklich die Frage, ob ZDF und Wulf Schmiese miteinander glücklich werden?



Isabella PfaffIsabella Pfaff, pfaff@tagesblick.de
Journalistin
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