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Zicken-Streit zwischen Ober-Emanze Schwarzer und Familienministerin Schröder
10.11.2010
Richtiger Sex und falscher Sex
„Stammtisch-Parolen aus den 70-er Jahren.“ „Billige Klischees.“ „Hanebüchener Unsinn.“ „Schlicht ungeeignet. Zumindest für diesen Posten.“ Mit diesen Worten reagierte Schwarzer auf ein Interview von Familienminister Schröder, das am Montag im „Spiegel“ erschienen war. Dort hatte Schröder es gewagt, einige Thesen Schwarzers in Frage zu stellen.

„Zum Beispiel, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch.“ Für die Ministerin ist es „absurd, wenn etwas, das für die Menschheit und deren Fortbestand grundlegend ist, per se als Unterwerfung definiert wird.“ Zudem glaube sie, so Schröder, dass „zumindest der frühe Feminismus teilweise übersehen hat, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden.“

Das alles ging Schwarzer, die derzeit für die nicht eben als feministisches Kampfblatt bekannte „Bild“-Zeitung vom Prozess gegen Wetterfrosch Jörg Kachelmann berichtet, zu weit. Schröder übersehe, dass sie ihre ganz persönliche Karriere der Frauenbewegung verdanke. Sie habe offenbar ihre Analyse zur „Funktion von Sexualität und Liebe bei der (Selbst-)Unterdrückung von Frauen“ nicht richtig verstanden. Im übrigen sei der Feminismus die folgenreichste soziale Entwicklung des 20. Jahrhunderts.“

Als Folge dieses Streites um die Deutungshoheit über richtigen Sex kam es am Montag und Dienstag zu heftigen Kontroversen in Internetforen, bis dann am Mittwoch die
Zeitungen großformatig einstiegen. Zu Wort meldete sich Politikerinnen des linken Spektrums wie Grünen-Fraktionschefion Renate Künast. Sie warf Schröder „angewandten Spaltungsirrsinn“ vor.

SPD-Vize Manuela Schwesig erklärte: „Frau Schröder hat keinerlei Verständnis für die historische Bedeutung des Feminismus.“ Sie unterschätze zudem die Benachteiligung der Frau beispielsweise bei der Bezahlung. Laut einer am Dienstag veröffentlichen Studie des arbeitgebernahen Instituts für Wirtschaft in Köln liegt die Diskrepanz nur bei 13 Prozent und nicht bei einem Viertel, wie bislang angenommen.

Viele Frauen können sich offenbar weder für die eine noch für die andere entscheiden. Sabine Hark, Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin wirft einerseits Schröder eine „verkürzende Schmähung des Feminismus“ vor. Andererseits geht sie auf Distanz zu Schwarzer: „Für viele Feministinnen ist Schwarzer genauso ein Problem wie Schröder.“ Ganz ratlos reagierte eine Twitter-Nutzerin: „Ich kann mich grad nicht entscheiden, für wen ich mich mehr fremdschämen soll.“
Helmut UwerHelmut Uwer, uwer@tagesblick.de
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