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Deutschlands Parlament kämpft um seine Würde
21.01.2011
Krawattenverweigerer im Deutschen Bundestag
Als der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder 1980 als junger Abgeordneter seine erste Rede im Bonner Parlament hielt, da hatte er es doch tatsächlich gewagt, ohne Krawatte ans Rednerpult zu treten. Das trug ihm prompt einen Rüffel der damaligen Bundestags-Vizepräsidentin Annemarie Renger, einer Genossin Schröders, ein. Als Jahre später der Grünen-Politiker Joschka Fischer ohne Schlips am Rednerpult stand, hatten sich die meisten schon beruhigt. Da hatte man sich schon an die „Ökopaxe“ mit ihren Rauschebärten und dicken handgestrickten Pullovern gewöhnt. Überrascht wurde man erst wieder, als Fischer 1998 Außenminister wurde und plötzlich nicht nur Krawatte trug, sondern auch geradezu Gentleman-like nadelgestreifte Dreiteiler.

Diese Woche haben sich die Gemüter erneut am Thema Krawatte erregt. Anlass war der Brief des konservativen Abgeordneten Jens Koeppen, der sich Sorge um die Würde des hohen Hauses machte. Er bat alle jene Kollegen, die als Schriftführer neben dem Sitzungspräsidenten Platz nehmen dürfen um eine der Würde des Hauses adäquate Kleidung. Männlichen Kollegen riet er zu einem Sakko sowie zu einer „Krawatte oder dem Entsprechendes.“ Kolleginnen ermutigte er lediglich zu einer „angemessenen Kleidung“, ohne ins Detail zu gehen.

Ein Abgeordneter der Grünen und gleich zwei der Links-Partei verweigerten der neuen Kleidervorschrift allerdings den Gehorsam. Sven-Christian Kindler (Grüne) fand: „Es
ist sehr fragwürdig, ob so manche Blümchenkrawatte von Koalitionsabgeordneten die Würde des Hauses hebt.“ Darauf hin musste sich das Parlamentspräsidium mit dem delikaten Thema befassen und kam zu dem weisen Entschluss, dass künftig keine Krawattenverweigerer mehr zum Schriftführerdienst herangezogen werden.
Helmut UwerHelmut Uwer, uwer@tagesblick.de
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