Das Netzgeschehen zu jeder Minute im Blick
Auch die Aktivitäten von Kachelmann zeigen immer wieder, wie gut er über die Vorgänge im Netz und seine vermeintlichen Gegner informiert ist. Als er am 7. Juni auf seinem Twitter-Account über einen gewissen Ehrensenator schreibt und ihn der Zensur beschuldigt, gemeint war Hubert Burda, war der erst wenige Tage zuvor von der Heidelberger Hochschule für jüdische Studien mit diesem Titel ausgezeichnet worden. Auch im Umgang mit Blogs ist Schnelligkeit seine Stärke. Der Blogger
Stefan Niggemeier gab eine Anekdote über die journalistischen Methoden der Bunte-Chefredakteurin Tanja May zum Besten und nahm dabei Bezug auf einen Tweet von Kachelmann. Dieser kommentiert nur 61 Minuten nachdem die Geschichte online gegangen war. Eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, wie intensiv in verschiedensten Blogs auch an diesem Tag noch berichtet wurde.
Doch geht Kachelmann nicht nur den Weg der direkten Ansprache. Er kämpft auch mit harten Bandagen gegen Medien, die ihm vermeintlich Böses wollen. Der „Zeit“ sagte er wörtlich: „Ich werde die Behauptung nicht auf mir sitzen lassen, dass ich gewalttätig gewesen sein soll. […] Zivil- und strafrechtlich werde ich versuchen, alle Leute zu belangen, die das behauptet haben.“ Wer über ihn schreibt, muss also auch künftig damit rechnen sehr genau von Medienanwälten gelesen zu werden, die im Zweifel dann Leserbriefe in Form von Abmahnungen schicken.
Der Beginn einer Kampagne
Es wirkt fast so, als sei sein Vorgehen nur der Beginn einer Kampagne in eigener Sache. Eine Website www.kachelmannspricht.de fehlt noch. Sie ist heute, wo sich die meiste Internetaktivität in Plattformen sozialer Medien verlagert, aber auch nicht mehr notwendig. Auf Facebook ist Kachelmann mit eigenen Fanseiten im Übrigen gut vertreten und seine Botschaften fallen auf fruchtbaren Boden. Das zeigt eine Studie der Firma
Ethority, die sich mit dem Echo des Freispruchs auf den verschiedenen Internetplattformen beschäftigt. Das war überwiegend neutral bis positiv gewesen. Allein auf Facebook, Twitter und Blogs wurden laut der Studie knapp eine Millionen Menschen erreicht. Eine eigene Website hätte das wohl kaum geschafft.
Es wird sich zeigen, ob sich seine Chancen in absehbarer Zeit auf den Bildschirm zurückzukehren, dadurch verbessern. Wer aber glaubt, dass Kachelmann nur um sich schlägt und eine verbissene Privatfehde gegen Nebenklägerinnen führt, liegt falsch. Hier weiß einer, was er tut.