Ein Häkchen nicht gelöscht - und schon hatte Thessa aus Hamburg Anfang Juni zu ihrem 16. Geburtstag nicht nur alle 20 Millionen Facebook-Nutzer in Deutschland eingeladen, sondern alle 600 Millionen weltweit. Gekommen sind dann allerdings „nur“ 1.600. Doch schon diese Zahl sprengt jede Durchschnittsparty bei weitem. Hundert Polizisten waren im Einsatz, denn unter den ungebetenen Gästen waren auch einige Randalierer.
Wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt nahm die Polizei elf Feiernde vorübergehend fest. Seither ist es zu weiteren Facebook-Massenpartys gekommen u.a. in Wuppertal, wo die Stadt gerne den Einladenden für die Reinigungskosten von 120.000 Euro haftbar machen würde. Doch die Einladung zur Party wurde anonym eingestellt.
Doch selbst wenn der Einladende bekannt ist, ist eine Zahlung nicht garantiert. Ein junger Mann, der vor zwei Jahren nach der Trennung von seiner Freundin über MeinVZ zu einer Party auf Sylt eingeladen hat, weigert sich nach wie vor, zwei Rechnungen über insgesamt rund 40.000 Euro fürs Aufräumen zu begleichen. 5.000 Leute waren gekommen. Der 26-Jährige sieht sich nur als Initiator und nicht als Veranstalter. Ein Gerichtsurteil steht noch aus.
Am Wochenende hat sich nun der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDFU) mit der Forderung nach einem Verbot solcher Partys zu Wort gemeldet: „Wenn die |
öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, müssen Facebook-Partys im Vorweg verboten werden.“ Ähnlich äußerte sich sein nordrhein-westfälischer Kollege Ralf Jäger (SPD). Seiner Meinung nach ist es Aufgabe der Kommunen, Facebook-Partys zu untersagen, wenn es Hinweise auf eine Gefahr für Teilnehmer oder Dritte gebe. Schünemann regte zudem einen „Internet-Führerschein“ an: „Die Jugendlichen wissen doch oft gar nicht, was sie anrichten.“
In Berlin haben dagegen weder Politiker der Union noch der SPD und der Grünen Verständnis für solche Forderungen. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach machte klar: „Allein die Tatsache, dass es am Rande solcher Partys zu Ausschreitungen kommen kann, rechtfertigt ein grundsätzliches Verbot nicht. Auch am Rande vor Fußballspielen und Demonstrationen kommt es immer wieder zu Krawallen, ohne dass wir deshalb Fußballspiele oder Demonstration verböten.“
Inzwischen hat auch Facebook reagiert und eine Einladung für Mitte Juli zu einer Massenparty in Bochum vom Netz genommen. Hier hatten bereits 50.000 ihr Interesse bekundet. Die nächste große Fete soll nun am 30. September in Hamburgs U-Bahn über die Bühne gehen. Die Initiatoren wollen damit gegen das am Folgetag beginnende Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr der Hansestadt protestieren. |