Rund 300 000 Fahrgäste mehr mußten die Berliner S-Bahnen heute verkraften. Sie fuhren als einzige - noch. Bei heftig einsetzenden Schneefällen ließen viele Berliner ihre Autos stehen und kämpften sich per Fahrrad oder zu Fuß zu den S-Bahnen durch. Den Streikaufrufen folgten laut ver.di und der Tarifunion des Beamtenbundes dbb rund 120 000 Gewerkschafter in ganz Deutschland.
Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst gehen am
Donnerstag und Freitag in Potsdam in ihre letzte Runde. Sollte sie scheitern,
drohen flächendeckende Streiks. In den bisherigen vier Verhandlungsrunden gab es bisher keine Annäherung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern aus Länder und Kommunen.
Doch damit nicht genug: Am Montag will die Lokführergewerkschaft GDL erneut die Deutsche Bahn bestreiken, weil der fast einjährige Tarifkonflikt immer noch nicht beigelegt ist. Der Streik soll nach Auskunft der GDL total und unbefristet sein. "Der Streik hört erst auf, wenn der Tarifvertrag von der Bahn ohne weiteren Bedingungen unterschrieben ist", sagte GDL-Chef Manfred Schell nach Agenturangaben.
Somit könnten der Streik von verdi und GDL Deutschland nächste Woche komplett lahmlegen. Verdi will für die rund 1,3 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber boten dagegen nur fünf Prozent an, verteilt auf zwei Jahre, bei gleichzeitiger Verlängerung der Wochenarbeitszeit. |