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Innenminister Rainer Speer tritt zurück
23.09.2010
Abschied des Mächtigen
Am heutigen Donnerstag hat der brandenburgische Innenminister Rainer Speer seinen Rücktritt erklärt. In den letzten Wochen war er mit mehreren politischen und privaten Affären in Verbindung gebracht worden. Jetzt riss er die Reißleine.

Rainer Speer hält noch einmal kurz inne. Er checkt sein Handy, dann steigt er die Treppen nach oben und betritt den Saal. Der Innenminister ist am Donnerstagnachmittag gekommen, um seinen Rücktritt zu verkünden. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) verliert seinen engsten Vertrauten in der Regierung. Speer begründet den Rücktritt damit, dass es ihm aufgrund von Medienrecherchen nicht mehr möglich sei, seine Privatsphäre und die von Dritten zu schützen.

Hintergrund sind Vorwürfe, Speer könne sich in der 90er Jahren an einer Straftat beteiligt haben. Bei einer öffentlichen Verhandlung des Berliner Landgerichts war am Dienstag deutlich geworden, das es um die Frage geht, ob eine frühere Freundin möglicherweise zu Unrecht für ein uneheliches Kind von Speer Unterhalt vom Staat erhielt. In dieser Sache äußert sich Speer auch bei seinem Rücktritt nicht. Er beteuert aber erneut, niemanden zu einer Straftat angestiftet oder aufgefordert zu haben. "Das ist vollständig unwahr und an den Haaren herbeigezogen", betont der 51-Jährige. Speer war bis zu diesem Tag einer der wichtigsten Strippenzieher in der märkischen SPD.
Der gelernte Schlosser fiel nicht nur durch seine kräftige Statur auf.

Auch sein Auftreten war für einen Politiker außergewöhnlich. Um den heißen Brei herumzureden war nicht seine Art. Eher direkt bis ruppig lässt sich sein Wesen beschreiben. Gerne tauchte er ab ins Potsdamer Nachtleben, legte hier und da auch selbst als DJ auf. Zu seinen Markenzeichen zählte die Zigarre - und ein Laptop. Und genau dieser Laptop war es offenbar, der Speer in diesem Spätsommer in die Schlagzeilen brachte. Das Notebook nämlich ging im vergangenen Jahr verloren. Es soll aus seinem Dienstwagen gestohlen worden sein. In diesem Jahr nun tauchten Daten von dem Computer bei verschiedenen Medien auf. Es gibt Berichte, wonach der Laptop in die Hände einer Rockerbande gelangte, die wiederum Daten an Zeitungen veräußerte. Bei den "Hells Angels" kursieren angeblich private Fotos des Ministers.

Die Zeitungen berichteten im August zunächst über einen Grundstücksdeal zwischen dem Land und einem privaten Investor. Das Geschäft ging über die Bühne, als Speer noch Finanzminister war. Die Kasernen im Potsdamer Norden, um die es geht, sollen mit gut vier Millionen Euro weit unter Wert verkauft worden sein. Speer wurde Vetternwirtschaft vorgeworfen.
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