Die "Welt" hatte es auf der Titelseite, und dpa hatte es zuerst gemeldet, - und ehrlich: Es wäre ja auch ein schöner Traum von Mil- lionen Männern (und vielleicht auch Frauen) gewesen: Die Bio-Potenzpille, erforscht in der Berliner Charité. Doch jetzt: Aus der Traum. Die Charité distanziert sich von den Mel- dungen.
Es waren nur ein paar dröge Sätze einer Pressemitteilung, die den Traum zum Platzen brachten: "Es handelt sich bei dieser Un- tersuchung um die Aktivität eines Mitarbeiters der Charité in eigener Verantwortung", teilte die Charité am Dienstag in Berlin mit. Ein Mitarbeiter hatte der Deutschen Presse-Agentur dpa über erfolgreiche Tests mit der Potenzpille berichtet, die 2010 auf den Markt kommen solle.
"Die Nennung eines Produktnamens in Zu- sammenhang mit den Untersuchungen ent- spricht nicht den wissenschaftlichen Stan- dards der Charité. Die Charité behält sich vor, hierauf geeignet zu reagieren und schließt auch rechtliche Schritte nicht aus", hieß es in der Erklärung weiter. Der Mitarbeiter sei nicht berechtigt, Erklärungen für die Charité abzugeben.
Und wie "Spiegel Online" berichtete, arbeitet der besagte Mitarbeiter auch noch nebenbei als PR-Berater und Lobbyist für die Pharma- industrie. Er plane seine Doktorarbeit und habe die Pille lediglich in einen Versuch erprobt, nicht wie angegeben in zwei. Dabei hätten entgegen der Angaben 25 Männer |
die Pille und 25 ein unwirksames Schein- medikament erhalten. Anschließend hätten die Teilnehmer die Wirkung mit ihren Erin- nerungen an die von Viagra vergleichen sollen.
Diese Methode habe mit seriöser Forschung nur wenig zu tun, kritisierte Fritz Sörgel, Direktor des Nürnberger Instituts für Bio- medizinische und Pharmazeutische For- schung (IBMP) laut Spiegel online. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizin- produkte habe inzwischen Informationen von der Charité angefordert, um den Vorgang zu prüfen.
Der Charité-Mitarbeiter hatte der dpa erklärt, die Mischung verschiedener Pflanzenextrakte erhöhe im Körper den Spiegel des män- nlichen Sexualhormons Testosteron und ver- bessere die Durchblutung. Die Pille bestehe vor allem aus Teilen der Pflanze Tribulus terrestris (Erd-Burzeldorn) und weiteren pflanzlichen Substanzen. Die Pressestelle der Charité hatte der dpa den Mitarbeiter als Ansprechpartner genannt, als dpa um In- formationen zu der Pille bat.
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