Mehr als 200 Masernfälle innerhalb kurzer Zeit haben die Gesundheitsbehörden in Baden-Württemberg alarmiert. Einige Schulen lassen nur noch geimpfte Kinder zum Unterricht zu. Eltern wurden aufgefordert, die Krankheit nicht zu verharmlosen - denn Masern sind gefährlich.
Bisher wurden nach Angaben des Landesgesundheitsamts landesweit mehr als 200 Fälle gezählt. Betroffen sind den Angaben zufolge vor allem Kinder und Jugendliche. Die Zahl der gemeldeten Fälle wachse täglich, hieß es. Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) sieht in den aktuellen Fällen den schwersten Masern-Ausbruch seit 2006, als allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 1700 Masern-Fälle gemeldet wurden. Bundesweit registrierte man in diesem Jahr 2000 Erkrankungen.
Das Virus, das sich jetzt in Baden-Württemberg ausbreitet, wurde nach Angaben der Behörden aus der Schweiz von Berufspendlern und Urlaubern eingeschleppt. Dort verzeichnet man seit 16 Monaten die größte Masernepidemie seit Einführung der Meldepflicht 1999. Von Anfang November 2006 bis Mitte März 2008 wurden nach Angaben der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1830 Fälle gemeldet. Schwerpunkt des Masernausbruchs in Deutschland ist Südbaden, wo eine Gesamtschule nach zehn Krankheitsfällen nur noch geimpfte Kinder zum Unterricht zulasse, hieß es gestern aus dem Gesundheitsministerium.
Auch die Region Stuttgart ist betroffen. Zwar habe sich die Impfquote bei den Schulanfängern in den vergangen Jahren stetig leicht verbessert, sagt Susanne |
Glasmacher vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Doch rund ein Viertel aller Jugendlichen in Deutschland sind nicht oder nicht ausreichend gegen Masern geimpft. Wann immer ein Masern-Virus aus dem Ausland eingeschleppt werde, treffe es deshalb auf gute Bedingungen.
Die Eltern sollen deshalb künftig beim Schuleintritt ihrer Kinder auf Impflücken hingewiesen werden. Auch junge Erwachsene, die zur Fußball-EM in die Schweiz oder nach Österreich wollen, sollten ihren Masern-Impfschutz prüfen. Die Masern sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Das Virus verbreitet sich durch die Luft. Krankheitszeichen sind Fieber, Schnupfen, Husten und nach etwa drei bis sieben Tagen ein charakteristischer Hautausschlag mit bräunlich-rosafarbenen Flecken. Dabei schwächt das Masernvirus vorübergehend die körpereigene Abwehr. Daher kann es zu Komplikationen wie Bronchitis, Lungenentzündung und Durchfall kommen.
Im schlimmsten Fall verursacht das Virus Gehirnentzündungen, die laut Robert-Koch-Institut in zehn bis 20 Prozent der Fälle tödlich verlaufen und in weiteren 20 bis 30 Prozent dauerhafte Schäden im Nervensystem hinterlassen.
Quelle: Agenturen |