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Erster Vertrag zu privatem Hausarztmodell in Baden-Württemberg
09.05.2008
Neues, privates Hausarztmodell
Der Vertrag sieht ein neues Honorarsystem für die teilnehmenden Haus- und Kinderärzte vor. Diese sollen ihr Geld nicht mehr über die Kassenärztliche Vereinigung erhalten, sondern über pauschalierte Euro-Beträge direkt von der Krankenkasse. Der Hausarzt erhält eine Pauschale von 16,25 Euro als sogenannte Vorhaltevergütung, auch wenn der Patient in einem Quartal gar nicht in die Praxis kommt. 40 Euro pro Quartal zahlt die AOK bei mindestens einem Arzt-Patienten-Kontakt in einem Quartal.

Diese Pauschale kann allerdings nur maximal dreimal im Jahr berechnet werden. Eine Zusatzpauschale bei chronisch kranken Patienten gibt es in Höhe von 25 Euro pro Quartal. Vertretungsfälle innerhalb des Hausarztprogramms werden von der AOK durch eine Pauschale in Höhe von 12,50 Euro pro Quartal vergütet.

Anders als bei bisherigen Hausarztprogrammen - wie beispielsweise dem Barmer-Hausarztvertrag - müssen die teilnehmenden Versicherten aber noch die Praxispauschale bezahlen. Die Patienten aber haben unter den teilnehmenden Hausärzten freie Auswahl. Nach einem Jahr kann der gewählte Hausarzt gewechselt werden, sonst nur, wenn wichtige Gründe vorliegen (Umzug des Arztes oder des Patienten). Einen Facharzt kann der Versicherte erst nach Überweisung durch seinen Hausarzt aufsuchen. Ausgenommen sind hiervon lediglich Gynäkologen und Augenärzte. Wenn der Versicherte durch einen Facharztbesuch ohne Überweisung gegen die Vertrags- Bestimmungen verstößt, kann er aus dem Programm ausgeschlossen werden.

Die Vertragspartner werben damit, dass die an dem Programm teilnehmenden Ärzte von Bürokratie entlastet werden und so mehr Zeit für ihre Patienten haben. Auch sollen die Ärzte an speziellen Qualitätszirkeln teilnehmen. „Mit diesem Vorgehen modernisieren wir gemeinsam mit den Partnern die hausärztliche Versorgung in unserem Bundesland" sagte Rolf Hoberg, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, bei der Vorstellung des Vertrages.

„Wir haben die Abrechnungsmodalitäten so einfach konstruiert, dass sie auch auf einen Bierdeckel passen würden“, so Christopher Hermann, Vorstandsvize der AOK Baden-Württemberg. Hausärzte könnten durch die neue Honorarsystematik einen durchschnittlichen Behandlungsfallwert von bis zu 80 Euro im Quartal erreichen. Gegenüber den heute in Baden-Württemberg üblichen Werten von rund 50 Euro sei dies eine deutliche Steigerung.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte: „Es ist sicher nicht übertrieben, wenn wir von einer historischen Wende in der hausärztlichen Versorgung sprechen.“ Er lobte, der Vertrag schaffe endlich wieder „Freiräume für das ärztliche Gespräch“.

Die AOK rechnet damit, dass sich in den nächsten Monaten 5.000 der 7.000 Hausärzte in Baden-Württemberg sowie etwa eine Million Patienten in das Programm einschreiben werden. Die Kosten veranschlagt die Kasse auf rund 200 Millionen Euro jährlich.
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