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"Gesundheitscheck" der gemeinsamen EU-Agrarpolitik
26.05.2008
"Gesundheitscheck"
Es klingt ein wenig wie die Ironie des Schicksals: Ein ursprünglich zutiefst durch den (Wochen)Markt geprägter Sektor soll wieder stärker der Marktwirtschaft ausgesetzt werden. Das ist die Kernbotschaft des GAP-"Gesundheitschecks", den die EU-Agrarministerin Mariann Fischer Boel am 20. Mai vorgestellt hat. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung einer Reform, die nur unbeschreiblich schleppend vorankommt. Was ist die Ursache? Die Grundidee des Gewappnetseins gegen den Hunger in Europa, verkam über die Jahrzehnte zum Milliardengrab für die europäischen Steuerzahler: hochsubventionierte, industrielle und damit in hohem Masse umwelt- und gesundheitsschädliche Massenproduktion bei Tier und Pflanze.

Die Diskussion um explodierende Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten, die zu oft ineffizient betriebene Biospritgewinnung und der thematisch allgegenwärtige Klimawandel scheinen wie eine Art Brandbeschleuniger mit Blick auf die GAP zu wirken; ein Brand, den es dringend zugunsten einer ökologisch- und sozialverträglichen Landwirtschaft in Europa zu löschen gilt. Beide Extreme, die industrialisierte Gigantomanie und die Mikrolandwirtschaft laufen einer verträglichen Agrarpolitik zu wider. Es ist nicht vermittelbar, dass ein einzelner Grossbetrieb 300.000 € und mehr an Unterstützung bekommt.
Das Argument, dass diese Betriebe aufgrund ihrer Größe für Arbeitsplätze sorgen, ist bei dem heutigen Technisierungsgrad der Landwirtschaft geradezu hanebüchen. Genauso wenig verständlich ist es, wenn ein 5ha-Betrieb die Subventionsverteilungs- maschinerie in Gang setzt. Der Vorschlag der EU-Kommission, einen Teil der "gesparten" Subventionen in sog. Mikrokredite zum Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft in der Dritten Welt zu nutzen, klingt sinnvoll. Er ist aber auch Zeugnis der Einsicht, dass die bisherige EU-Agrarpolitik mit dem Verschleudern ihrer subventionierten Überproduktion dortige Märkte systematisch zerstört und damit Armut und Hunger erzeugt hat.

Es sind fortan aber nicht nur die Landwirte, die umdenken müssen, sondern auch die Verbraucher müssen ihren Teil zum Gelingen des Umbaus der Agrarpolitik leisten. Eine Lehre für viele Bauern wird sicherlich sein, dass der Markt eben kein statisches System ist, sondern dass man ihn aufmerksam analysieren muss, um dann daraus entsprechend marktfähige Produkte zu entwickeln und zu lancieren. Dieses Wissen zu vermitteln, ist Aufgabe der Landwirtschaftsschulen.
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