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Bundesregierung will Übergewicht bekämpfen
25.06.2008
Ran an das Fett
Die Bundesregierung will dem Übergewicht der Bundesbürger stärker zu Leibe rücken und Deutschland in Form bringen. Das Kabinett billigte am Mittwoch einen bundesweiten Aktionsplan für gesunde Ernährung und mehr Bewegung mit dem Titel «In Form». Der Bund stellt dazu 30 Millionen Euro bis 2010 bereit. Mit Kampagnen in Schulen, Kindergärten, Betriebskantinen, Sportvereinen und Seniorenheimen sollen die Bundesbürger besser aufgeklärt werden. Damit sollten auch milliardenschwere Krankheitskosten vermieden werden. Bis 2020 will die Bundesregierung sichtbare Ergebnisse erreichen. Grüne, Linke und Verbraucherverbände halten den Plan für unwirksam.

"Wir wollen nicht diskriminieren", sagte Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU). Es gehe darum, den Menschen beim Essverhalten zu helfen. Verbote lehnt Seehofer ab. Mit der Wirtschaft soll über einen Verzicht auf Werbung gesprochen werden, die sich an Kinder unter 12 Jahren richtet. Seehofer will sich für eine farbige Kennzeichnung von Lebensmitteln einsetzen, bei der der Anteil an Fett, Zucker, Salz, Kalorien und gesättigten Fettsäuren in Bezug zur empfohlenen Tagesration angegeben wird. Die EU plant ebenfalls eine solche Kennzeichnungspflicht. Seehofer will mit der Wirtschaft aber über eine freiwillige nationale Regelung sprechen. Eine reine Ampel-Kennzeichnung, bei der Rot, Gelb und Grün die Nährwertanteile angeben, lehnt er als zu einfach ab.

In Deutschland gelten zwei Drittel der Männer und die
Hälfte der Frauen zwischen 18 und 80 als zu dick. Unter Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent übergewichtig oder fettleibig. Bis zu 70 Milliarden Euro - ein Drittel der Gesundheitskosten - würden durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung ausgelöst, sagte Seehofer.

Die Bundesregierung rief Länder und Kommunen auf, sich zu beteiligen. Vor allem die Länder seien wichtig, weil sie für Schulen zuständig seien, sagte Seehofer. Die Angebote sollen besser vernetzt werden. In Deutschland soll ein Umfeld geschaffen werden, in dem ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung in allen Lebensbereichen fest verankert sind, heißt es im Aktionsplan. Nötig seien ein langer Atem und immer wieder neue Impulse, sagte Seehofer. Seine Vorgängerin Renate Künast (Grüne) hatte bereits Kampagnen gegen Übergewicht gestartet.

Die Verbraucherzentralen forderten konkrete Maßnahmen. Der Aktionsplan greife in wesentlichen Punkten wie der Kennzeichnung zu kurz, die Finanz-mittel reichten nicht. Die Verbraucherorganisation Foodwatch verlangte ebenfalls eine Ampel-Kennzeichnung. Die Deutsche Kinderhilfe forderte Ernährung als Schulpflichtfach.

Quelle. Agenturen
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