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Ausstellung Globalisierung 2.0 in Hamburg
03.09.2008
Globalisierungsgeschichten
Globalisierung. Schon der Begriff allein ist schwer verdaulich. Man hat ihn aber schon mehrmals vernommen, meistens im Zusam- menhang mit Arbeitsplatzverlegung ins Ausland, undurchsichtigen Börsenaktionen, politischen und wirtschaftlichen Entschei- dungen, an denen sich der Normalbürger nicht mehr beteiligt fühlt. Die Globalisierung ist schuld, von welchem Brot sollten die sogenannten Globalisierungsgegner von Attac sonst leben, die den ehemaligen CDU-Familienminister Heiner Geissler zu ihren prominentesten Mitgliedern zählt?

Die Wander-Ausstellung "Globalisierung 2.0", die in Hamburg noch bis zum 4. Januar 2009 im Museum für Kommunikation Hamburg zu sehen ist, versucht eine Annäherung. Aber was meint der Zusatz "2.0"? Die Anlehnung an die Softwarebranche stellt die Frage nach Phase 2, die Erfindung ist gemacht, nur was kommt danach?

Die Ausstellung zeigt auf, was Globalisierung im Alltag bedeutet und wie es dazu kam. Die Wanderbewegungen der Menschen gingen einher mit dem Bedürfnis Kontakt zu halten und so arbeitete der Mensch an der stetigen Verbesserung der Transport- und Kommuni- kationswege. Und natürlich war der Handel und der daraus resultierende Gewinn einer der maßgeblichen Antriebsmotoren für die globale Vernetzung.

Gezeigt wird die finanzpolitische Entwicklung von 1817, dem Jahr, als der britische Ökonom David Ricardo in seinem Buch, die Kostenvorzüge des Welthandels für alle darlegte bis in die heutige Zeit, die mit der Nobelpreisvergabe an den Erfinder der Mikrokredite einen weiteren Höhepunkt hat. Die Zeittafeln hierzu sind zwar interessant, aber ohne wirtschaftliches Grundverständnis nicht ohne weiteres nachvollziehbar.
Schon anschaulicher sind die zehn detailliert recherchierten Globalisierungsgeschichten, die Hintergründe und Zusammenhänge erläutern, wie der Film über Call-Center in Dritte-Welt-Ländern, die unermüdlich Haus- halte in Europa und Amerika anrufen, um nutzlose Billigprodukte anzupreisen. Oder die Darstellung des Irrsinns unserer Nahrungsmittelproduktion, wie jener, daß sich die Deutschen von den Marokkanern ihre Nordseekrabben puhlen lassen. Geliefert werden aber auch Beispiele für globale Probleme, die uns alle angehen wie die Klimaerwärmung oder die Aids-Seuche.

Es gibt (viel zu kurze) Ausschnitte zu sehen aus den populären Dokumentarfilmen der letzten Jahre - An inconvenient truth mit Al Gore oder der österreichische Film "Was wir essen" zu den Perversionen unserer Nahrungsmittelindustrie. Man braucht etwa eine Stunde für die Ausstellung, die mit EUR 3,50 einen angemessenen Eintrittspreis verlangt. Sie bietet nicht unbedingt neue Einblicke, aber liefert dafür einen guten Überblick, was Globalisierung ausmacht.

Den Anspruch, Fragen zu beantworten, erhebt sie gar nicht erst. Auch ist der überwiegende Teil der Ausstellung den Skurrilitäten und negativen Folgen der Globalisierung gewidmet, so daß man sich schon fragen könnte, was die Globalisierung der Menschheit eigentlich gebracht hat. Gegen- frage: wer würde denn auf preiswerte Gebrauchsgüter, Internet und 24-Std.-Flüge ans andere Ende der Welt verzichten? Die Globalisierung ist eine Entwicklung, die wir Konsumenten vorangetrieben haben. Einen gut gemachten, 10-minütigen Film in englischer Sprache zum Thema "Konsum" gibt es hier.

 
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