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Mit Freude auf wackligen Beinen: New Orleans
23.10.2008
In sieben Wochen durch die USA: Teil VII
New Orleans ist wieder auf den Beinen. Wacklig zwar, mehr gehalten durch Wagemut und Durchhaltewillen als durch Hilfe von außen. Aber die Stadt atmet, will leben. Hurrikan Katrina und die politische Katastrophe danach konnten der Stadt den Lebensmut nicht nehmen.

Katrina war mehr als nur ein Sturm. 80% der Stadt standen unter Wasser. Die Deiche waren an mehr als fünfzig Stellen eingebrochen. In New Orleans brachen Seuchen wie Plünderungen aus. Mehr als 1600 der in der Stadt Verbliebenen - zumeist Arme ohne Auto und Alte, die nicht evakuiert werden wollten - starben.

Die Hälfte ihrer Einwohner hat die Stadt verloren. Neunzig Prozent der Einwohner im Südwesten Louisianas wurden evakuiert. Tausende sind durch die USA verstreut. Manche sind freiwillig nicht zurückgekommen. Zu groß ist die Angst vor einer weiteren Flut in den Vierteln, die unter dem Meeresspiegel liegen.
Andere wollen wieder zurück. Aber können nicht. Die versprochenen Hilfen für den Wiederaufbau sind nie angekommen. Ihre Häuser liegen in Trümmern. Genau so, wie Katrina sie hinterlassen hat. Ganze Stadtviertel, insbesondere der arme Ninth Ward, gleichen in manchen Straßen Geisterstädten. Kein Leben, leere Fensterfluchten, Trümmer, Müllberge.

New Orleans ist anders heute als vor drei Jahren. Weniger arm, weniger schwarz. Viele sagen, das sei absichtlich so geschehen. Sozialwohnungen und Armenviertel sind nicht wiederaufgebaut worden. Ehemals desegregierte Stadtviertel sind heute weiß. Einer von 25 Bewohnern ist obdachlos.

Als ich mit meinem Auto durch die früher dicht besiedelten Viertel in der Gegend des Ninth Ward fahre - Besichtigungen zu Fuß gelten gemeinhin als zu gefährlich für Touristen - bleibt wenig anderes als Ungläubigkeit. Ich schaue auf kriegsähnliche Landschaften, menschenleere, trümmerübersäte Straßen voll Schlaglöchern. Keine Läden, in manchen Straßenzügen kein bewohntes Haus, kaum Autos. Eingebrochene Dächer, Steine, wo mal Häuser standen, Müllberge. In den Ruinen immer wieder Zeichen notdürftigen Lebens: Matratzen, Stühle auf der Veranda.

Ist es denkbar, dass sich jahrelang niemand ernsthaft darum gekümmert hat, diese verseuchten Trümmer aus dem Weg zu räumen, diesen Gegenden wieder ein Leben zu ermöglichen? Die Hausruinen entwerten die Nachbarschaft für die Gebliebenen und Zurückgekehrten. Die schauen tagtäglich auf depressive Landschaften aus ihren oft liebevoll renovierten Häusern, die absurd wirken in all dem Chaos.
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