Natürlich, die Rede ist von der Capitale de France, Paris; und ihrer neu entdeckten Liebe gilt dem Fahrrad. Ja, richtig, dem Vélo! Bis vor Jahren wirkte dieses noch wie ein Relikt aus alten Zeiten oder gleich einem verirrten Exot inmitten von Blechlawinen, die sich tagtäglich und besonders auffällig im Berufsverkehr durch die Avenuen quälen. Nicht, dass das Chaos spürbar weniger geworden wären. Im Gegenteil, auch weiterhin kurven die französischen Autoliebhaber kräftig hupend über die Place Charles-de-Gaulle (vormals Place de l'Étoile), als gäbe es noch immer nur einen Sieger am Triumphbogen.
Nein, in dieser Metropole begann schon Anfang 2000 ein langsames Umdenken: Die Stadt wird peu à peu „grüner“. So wächst seit dem Jahre 2007 ein Pflänzchen heran, welches angesichts eines ausgeklügelten Metrosystems und der schier grenzenlosen Freiheit auf den Pariser Straßen wohl kaum jemand für überlebensfähig gehalten hätte. Ein richtiges Experiment. Es heißt „Vélib'“ und ist ein Fahrradmietsystem, um sich alternativ zu anderen Verkehrsmitteln durch die Stadt zu bewegen.
Das Vorhaben ist ambitioniert, die Idee eigentlich simpel, deren Umsetzung hingegen aufwändig und kostenintensiv: Überall in der Stadt gibt es Fahrradmietstationen, die mit verkehrstauglichen und stabilen Rädern ausgestattet sind. Jede der insgesamt geschätzten 1.000 Stationen ist mit etwa zwanzig Rädern - je nach |
Lage und Nutzungsfrequenz - „aufgeladen“. Das Gerät wird regelmäßig von einem technischen Service gewartet und überprüft. Ein platter Reifen sollte also ausgeschlossen sein. Übrigens, nachts werden die Räder per Shuttle wieder gleichmäßig auf die einzelnen Stationen verteilt, damit am Morgen wieder jeder seinen Drahtesel zu Diensten hat.
In Reih' und Glied stehen die feschen Unisexräder in Silberbraunoptik nebeneinander angeschlossen an futuristischen Pollern mit elektronischem Lesegerät. Mit einer Karte aus dem Automaten lassen sich die Räder dann frei schalten. Eine Diaode an den Pollern zeigt, welches Rad noch zu haben ist oder welches schon etwa von Jahreskarteninhabern reserviert wurde. Technik vom Feinsten!
Einmal fest auf dem Sattel kann es mit Einkaufskorb und Gangschaltung entweder gemächlich oder rasant durch die Stadt gehen. Sogar markierte Radwege und ganze Routen gibt es. Sie sind teilweise als separate Spuren von den Straßen abgetrennt. Für die Autofahrer wird es somit enger. Das Ziel erreicht, wird das Vélo einfach wieder in den Poller geschoben und das war's. Pas de soucis en plus - keine weiteren Sorgen mehr.
Und die Kosten? Gute Frage! Die Kaution beträgt zunächst 150 Euro. Ansonsten tickt „Vélib'“ im Halbstundentakt. Die erste halbe Stunde ist völlig kostenfrei; man kann sie besonders als Tourist wunderbar nutzen. Die weitere |