Landeanflug auf Havanna: „Bitte stellen Sie Ihre Uhren um sechs Stunden und fünfzig Jahre zurück“. Es ruckelt spürbar auf der Landebahn. Ein Vorgeschmack auf die allgemein desolate Straßenlage im Tropensozialismus. Ein- und Ausreise sind eine Prozedur nach US-amerikanischem Vorbild. Volles Ballett bis auf Fingerabdrücke. Eine gewisse Ironie angesichts der angespannten Beziehungen beider Staaten. US-Amerikanern beispielsweise ist eine Einreise aufgrund des Embargos offiziell nur mit Lizenz und über ein Drittland möglich. Der Pass selbst lässt keinerlei Rückschluss auf die Gefühlslage im Lande der karibisch-kommunistischen Glückseligkeit zu: Ein sonst obligatorischer Ein- und Ausreisestempel wird vorsorglich gespart. Nicht aus zu vermutendem Tintenmangel, sondern aus utilitaristischem Kalkül. Stattdessen gibt es eine als Visum getarnte kostenpflichtige Einlegekarte, die am Ende einer Reise alle Spuren von und nach Kuba sauber zu verwischen versucht. Die offizielle Erklärung lautet, dass Reisende dadurch geschützt würden. Geschützt wovor? Vor unbequemen Wahrheiten, Enthüllungen oder Repressalien? Wohl kaum. Vielmehr wappnet sich der kubanische Staat in vorauseilendem Gehorsam gegen möglicherweise ausbleibende Reisende und damit dringend gebrauchte Devisen. Der vermeintliche Grund für die Touristenkarte ist die gezielte Verschleierung eines Kubaaufenthaltes, indem Staatsbürger anderer Nationen theoretisch Nachteile aus diesem ziehen könnten. Womöglich eine selbst erfüllende Prophezeiung? |
In jedem Fall lässt dieses Vorgehen tief auf Staatsverständnis und Zwänge blicken, die sich allesamt eins zu eins im kubanischen Alltag bestätigen lassen. Ein Blick auf die Hauptstadt La Habana und es erschließt sich wortlos die Malaise des gesamten Landes: Verfall und Mangel allerorten! Schwülwarme Luft, Sonnenschein und Palmen übertünchen den maroden Eindruck allenfalls auf gut gewählten Fotomotiven. Die allgemeine Lage ist fürwahr eine andere.  Die guten alten Zeiten

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