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wolle und danach einen Posten in der Wirtschaft anstrebe.

Als heissester Anwärter auf seine Nachfolger gilt Innenminister Bouffier, der wie Jung zu den treuen Gefolgsleuten Kochs zählt. Aber der 58-jährige Bouffier ist nicht unumstritten. 1999 ermittelte die Gießener Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Parteiverrat. Als Anwalt hatte Bouffier sowohl den Ehemann als auch später dessen Ehefrau in einer Scheidungssache beraten. Nach einer Geldbuße in Höhe von 4.000 Euro wurde das Verfahren eingestellt. In den letzten Woche war er unter Beschuss geraten, weil er einen Parteifreund unter zweifelhaften Umständen zum Präsidenten der hessischen Bereitschaftspolizei befördert haben soll.

Wieder ein Rivale weniger für die Bundeskanzlerin. Nach dem Finanzexperten Friedrich Merz scheidet mit Koch ein zweites Schwergewicht der CDU aus der Politik aus. Beide waren nur die Nummer 2 hinter Merkel. Bei Koch deutet allerdings nichts darauf hin, dass sein Rückzug etwas mit dieser Rollenverteilung zu tun hat. Das war bei Merz eindeutig anders.

Kochs Rückzug ist schwerer fassbar. Einen aktuellen Anlass gibt es nicht. Genauso überraschend wie die Wahl des Zeitpunktes ist die Tatsache, dass ausgerechnet ein homo politicius wie Koch freiwillig und ohne Zwang von genau dieser Bühne abtreten will. Dem Druck von aussen hat Koch in der Vergangenheit zweimal stand gehalten.

Nun hat er selber entschieden und viele damit überrascht. Man fühlt sich erinnert an den plötzlichen Rücktritt des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher (FDP). Der allerdings tat diesen Schritt auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Koch hat seinen Zenit deutlich überschritten.

Für Merkel wird die Lage durch Kochs Rückzug nicht einfacher. So wie sie mit Merz einen ausgewiesenen Finanzfachmann verloren hat, räumt der Politaussteiger Koch nun die rechte Flanke der CDU. Der konservative Flügel wird demnächst nicht mehr prominent in der Partei vertreten sein. Die CDU aber ist ihrem Wesen nach zuallererst eine konservative Partei, die sich derzeit den Luxus einer nicht ganz so konservativen Parteichefin leistet.
Helmut UwerHelmut Uwer, uwer@tagesblick.de
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