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Jahrzehntelanges Versagen im Atommüllager Asse
07.09.2008
Kommentar: Ein Atommüllager säuft ab
Das ist aber auch schade, dass die Debatte um die Endlagerung von Atommüll gerade jetzt hoch kocht, wo doch die CDU beschlossen hat, den Ausstieg aus dem Atomausstieg zu einem zentralen Thema ihres Bundestagswahlkampfes zu machen. Wie war das nochmal, Herr Pofalla? Atomstrom ist für die CDU Öko-Energie? Na klasse.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Asse, ein ehemaliges Salzbergwerk, war nie als Lagerstätte für hochradioaktive Abfälle, wie z.B. ausgediente Brennelemente aus Atomkraftwerken, gedacht. Dort sollten schwach- bis mittelradioaktive Abfälle eingelagert werden. Das sind z.B. Abfälle aus der Forschung oder der Medizin. Zumindest den Akten nach kann die Einlagerung von Brennelementen, die zwischenzeitlich befürchtet worden war, ausgeschlossen werden. Dafür findet sich aber hochgiftiges Plutonium in dem Bergwerk wieder. Wie dem auch sei, das Lager scheint nicht so geeignet zu sein wie immer behauptet wurde, denn es läuft mit Wasser voll. Täglich dringen ca. 12.000 Liter ungeklärter Herkunft in das Bergwerk ein. Das Wasser destabilisiert das Lager und lässt Metallfässer korrodieren; eine Kontaminierung des Grund- und somit Trinkwassers ist nicht auszuschließen. Und das Problem scheint nicht neu zu sein, denn bereits vor 1967 wusste man, dass die Asse nicht trocken ist; schon damals wurden Fässer in feuchten Kammern abgeladen, wie ehemalige Mitarbeiter berichten. Was also, um Himmels Willen, haben sich diejenigen Menschen gedacht, die davon wussten, die Einlagerung aber nicht gestoppt haben? Entweder war es schlampig oder kriminell, dass nichts geschah.
Asse dürfe nicht instrumentalisiert werden, um "an einer überkommenen Anti-Atom-Ideologie festzuhalten", ist seitens der CDU zu vernehmen. Würde ich auch sagen, wenn mir schon nach so kurzer Zeit ein so schönes Wahlkampfthema um die Ohren fliegt. Und wie überkommen diese Anti-Atom-Ideologie ist - abgesehen davon, dass natürlich immer nur die anderen ideologisch sind - zeigen die aktuellen Ereignisse doch recht gut auf. Denn Asse wirft ein gehöriges Schlaglicht auf ein bisher ungelöstes Problem der Atomwirtschaft: die Endlagerung. Es gibt bisher kein einziges Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland, während wir aber weiterhin in Seelenruhe diesen Atommüll produzieren, der dann in Zwischenlagern eingelagert wird, die irgendwie an einfache Lagerhallen erinnern.

Ginge es nach der Union, sollte Gorleben schnellstmöglich zum Endlager ausgebaut werden. Bei Gorleben handelt es sich ebenfalls um einen Salzstock. Und es soll genau so sicher sein wie einst die Asse. Im Jahr 2000 haben sich aber Energie- unternehmen und die Bundesregierung auf ein maximal 10 Jahre währendes Erkundungsmoratorium geeinigt, das unter anderem zum Vergleich von Alternativen, die möglicherweise sicherer sind als Salzstöcke, genutzt werden sollte. Dazu zählen z.B. auch Ton- und Granitlagerstätten. Das lehnt die Union aber ab. Bisher seien in Gorleben „Milliarden und Abermilliarden“ ausgegeben worden, so die Kanzlerin. "Ich habe keine Lust, weitere Milliarden auszugeben."
Ein Rückholung der Abfälle aus der Asse würde übrigens um die zwei Milliarden Euro kosten, von dem Risiko für die Arbeiter ganz zu schweigen.
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