Stromwechsel.de


     |   RSS   |   Suche     
Aktuelles Hintergrund 
StartPolitikHintergrund
Hintergrund
Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken Diesen Artikel weiterempfehlen Diesen Artikel weiterempfehlen
Ein Gastbeitrag zum deutschen Klimaschutz von Dr. Felix Creutzig
09.12.2008
Zeit voranzuschreiten
Die weltweite Finanzkrise und eine immer bedrohlicher wirkende Klimakatastrophe: Die Zukunft sieht nicht rosig aus. In den Ver- einigten Staaten ist mit Barack Obama ein visionärer Politiker zum Präsidenten gewählt worden. Obama ist festen Willens, die Fi- nanzkrise zu nutzen, um Infrastrukturen aufzubauen. Mit einem derartigen Programm kann sowohl Wohlstand als auch Klima- schutz erreicht werden: Basis für den wirt- schaftlichen Aufschwung sind saubere Technologien. Diese sind gleichzeitig Vor- raussetzung, um den Klimawandel erfolg- reich einzudämmen.

Im Vergleich hierzu gibt Deutschland derzeit ein ernüchterndes Bild ab. Gute, bereits vor- handene Ansätze könnten zu einem ähnlich visionären Gesamtbild ausgebaut werden. Doch in einer kritischen Zeit verlegen sich Merkel, Glos & Co. auf eine Defensivstrategie, die im besten Fall eine Aufschiebung des ohnehin anstehenden Strukturwandels be- deutet - aber im schlechtesten Fall die Basis gerade der deutschen Industrie zerlegt.

Politik für die Industrie, nicht für die Umwelt

Die Automobilbranche ist die Schlüsselin- dustrie Deutschlands. Arbeitsplätze und Wohlstand hängen direkt oder indirekt am Autobau. Doch gleichzeitig führt der Auto- verkehr auch zu bedeutenden Treibhaus- gasemissionen. Deswegen strebte die EU in der ersten Fassung ihres Klima- paketes ein Ziel von 120 gCO2 pro km für 2012 an - eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, den CO2-Ausstoß einzu- schränken.

Unter dem Druck der deutschen Autoindustrie weichten Merkel, Glos und Gabriel das Ziel
bis zur Unkenntlichkeit auf - effektiver Klima- schutz ist Fehlanzeige. Doch auch indus- triepolitisch ist diese Verwässerung der Klimaziele ein Debakel. Verbraucher fragen nach umweltfreundlichen Autos und bezahl- baren Verkehrsmitteln. Nur die Autofirmen werden auf dem zukünftigen Markt Erfolg haben, die sich am schnellsten auf diese ver- änderte Situation einstellen. Statt in In- novation investieren die deutschen Auto- hersteller jedoch Millionen für ihre Lobby- isten. Mit Erfolg: Die neuen EU-Ziele nehmen jeden Innovationsdruck auf die deutschen Automobilhersteller.

Das Beispiel der drei großen amerika- nischen Autofirmen Ford, Chrysler und General Motors zeigt, wo solche missver- standene Industriepolitik enden kann. Diese Unternehmen werden - wenn überhaupt - nur mit einer Palette energieeffizienter Autos wieder hochkommen.

Verwässerter Emissionshandel

Ein ähnliches Muster zeigt sich im euro- päischen Emissionshandel. Die Obergren- zen der aktuellen EU-Pläne ab 2012 sind so schwach, dass sie keine Wirksamkeit entfalten können. Schlimmer noch: die Zer- tifikate sollen wie bisher auch umsonst an die Umweltverschmutzer herausgegeben werden. Damit verdienen die größten Klima- sünder Milliarden, anstatt dass sie gez- wungen werden, ihre Anlagen zu moderni- sieren.

Ganz anders Obamas Regierung in spe: Ihr klares Ziel ist die Versteigerung der Zertifikate von Anfang an. Amerikanische Experten weisen dabei explizit auf die europäische Er- fahrung hin. Die einzigen, die von der freizügigen Verteilung der Zertifikate nicht lernen, sind die Europäer.
1  2  3   > weiter
0 Kommentare
Einen Kommentar hinterlassen:  (Bitte alle Felder ausfüllen!)
 
Name:
 
E-Mail:
 
Kommentar:
 
Spam-Schutz: 
 
Politik - Aktuelles
Hintergrund
Rubrikartikel
Zahl der Zuwanderer um 20 Prozent gestiegen  ...mehr
Über 20 Jahre Deutsche Einheit: Bündnis fordert Rentenangleichung  ...mehr
Üben für den Damen-Tee mit Michele Obama ...mehr
Bislang keine Anerkennung für Beate Klarsfeld in Deutschland ...mehr
Deutsche Frauen arbeiten mehr Teilzeit als andere Europäerinnen  ...mehr


Hintergrundzum Archiv