Zwei Männer haben bislang die Fäden der Links-Partei gezogen: Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine sowie Faktionschef Gregor Gysi. Nun hat Lafontaine seinen Rückzug angekündigt, aber bei der Nachfolge noch insofern mitgemischt, als er zuvor seinen Geschäftsführer Dietmar Bartsch abgeschossen hat. Der musste wegen Illoyalität gehen und kam nun als Parteichef nicht mehr in Frage.
Es lag nun an Gysi die Nachfolge zu organisieren, wobei der 62-Jährige sich selber aus Altersgründen ausschloss. Statt nur eines Parteichefs Lafontaine - wie ursprünglich geplant-soll nun auf dem Rostocker Parteitag Mitte Mai die Doppelspitze erhalten bleiben und mit der Doppelbesetzung des Geschäftsführerpostens sozusagen verdoppelt werden. Damit macht die Partei klar, dass der Fusionsprozess noch nicht abgeschlossen und die Links-Partei nach wie vor in Ost und West geteilt ist.
Der Westen wird künftig durch den Lafontainisten Ernst vertreten. Seine Nominierung lief indes lange nicht so reibungslos ab wie die der Ostvertreterin Gesine Lötzsch (48). Der frühere Gewerkschafter und Mitbegründer der SPD-Abspaltung WASG stieß nicht nur bei den ostdeutschen Genossen auf Widerstand, sondern auch in den eigenen Reihen.
Vielen passt nicht, wie er dazu beigetragen hat, dass Bartsch seinen Hut nehmen musste. Auch die bisherigen Wahlergebnisse des noch stellvertretenden Vorsitzenden sprechen nicht unbedingt für Ernst. Hinzu kommt der Vorwurf, |
er zeige zuviel Präsenz in Talk-Shows und vernachlässige darüber die Parteiarbeit.
Das kann man Lötzsch nicht vorwerfen. Sie hat zusammen mit Petra Pau zwischen 2002 und 2005 die Fahne der PDS im Bundestag hochgehalten, nachdem ihre Partei an der 5-Prozent-Hürde gescheitert war. Als Dank für drei Jahre am „Katzentisch“ in der letzten Reihe des Bundestages durfte Lötzsch, die dreimal ihren Wahlkreis Berlin-Lichtenberg direkt gewonnen hat, 2005 den Männern Gysi und Lafontaine Platz machen.
Weder Lötzsch noch Ernst gehören zu den bekannteren Politikern in Deutschland. Sie könnten sich aber von ihrem Temperament her ergänzen. Ernst ist der angriffslustige, Lötzsch die ausgleichende. Eingebunden wurde zudem die zum linken Flügel zählende Sahra Wagenknecht. Sie soll einen Vizeposten erhalten.
Nun muss nur noch der Parteitag dem Personaltableau zustimmen und dafür mit Zweidrittel-Mehrheit die Satzung ändern. Die war zuletzt geändert worden, um Lafontaine künftig die Alleinherrschaft zu ermöglichen. Noch hat er nämlich eigentlich einen Ko-Chef: Lothar Bisky.
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