Stromwechsel.de


     |   RSS   |   Suche     
Aktuelles Hintergrund 
StartPolitikHintergrund
Hintergrund
Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken Diesen Artikel weiterempfehlen Diesen Artikel weiterempfehlen
Pressestimmen zum Rücktritt von Margot Käßmann
24.02.2010
Ex-Bischöfin
Eine Auswahl der Presse-Kommentare vom Donnerstag zum Rücktritt von Bischöfin Margot Käßmann.

Frankfurter Neue Presse: Ein starker Rück- tritt. Leitartikel von FNP-Chefredakteur Rainer M. Gefeller.

Der Rücktritt setzt die Kirche unter Schock, weil niemand von vergleichbarer Strahlkraft und forscher Gradlinigkeit in Sicht ist, der das moderne Gesicht der Evangelischen Kirche repräsentieren könnte. Sie hat die pro- testantischen Gemeinden der Gesellschaft geöffnet; viele glaubten an sie und lernten durch sie wieder glauben. In kurzer Zeit hat sie es geschafft, der Kirche auch politisch - zum Beispiel in der Afghanistan-Debatte - wieder Gehör zu verschaffen.

Wäre es also nicht besser gewesen, sie hätte diesen Sturm ausgesessen ?
Nein. Es gibt viel zu viele Sesselkleber in diesem Land; viele, die sich Schlimmeres haben zu Schulden kommen lassen. Frau Käßmanns Rücktritt ist eine Demonstration für politischen Anstand und moralische Integrität. Diese Demonstration stärkt auch die Kirche in ihrem Anspruch, eine ernst- zunehmende Instanz für ethische Werte zu sein.

Berliner Morgenpost: Der unnötige Rücktritt einer streitbaren Frau.

Schade. Der Rücktritt der obersten deutschen Protestantin ist ein hoch nobler Schritt, der für Verantwortungsgefühl und Konsequenz spricht. Aber womöglich erlebt das Land hier auch ein Musterbeispiel an Überkonsequenz. Sicher, mit 1,5 Promille über eine rote Ampel zu fahren, das ist keine Kleinigkeit.
Aber mal ehrlich: Wie viele Autofahrer mögen mit einer Mischung aus Schrecken und Erleichterung an die ein oder andere eigene Promillefahrt gedacht haben, die unentdeckt blieb?

Margot Käßmann wird nach geltendem Recht bestraft, sie wird den Führerschein abgeben, Strafe zahlen und womöglich sozialen Dienst leisten müssen ... Das Scheitern an hohen Maßstäben ist die ewige Geschichte des Christentums, und es macht eine Kirche nicht unglaubwürdiger, wenn auch ihre hohen Repräsentanten es an Perfektion mangeln lassen. Fehlerfrei ist nur Gott im Himmel. Wichtig ist: Jeder Mensch muss die Chance zur Rehabilitation haben. Ein einzelner Fehl- tritt darf nicht ein ganzes Leben zerstören. Wenn in Deutschland alle zurücktreten müssten, die täglich höchste moralische Latten auflegen, dann blieben nicht nur Parlamente und Funktionärssessel oftmals leer, sondern auch die Kommen- tarspalten der Zeitungen.

Der Rücktritt der Bischöfin wirft eine zentrale Frage auf: Welche Fehler will eine Ge- sellschaft bei ihren Anführern tolerieren? Reichen schon Verkehrsdelikte? Wann wird die hysterische Öffentlichkeit den ersten Falschparker zum Rücktritt zwingen? In den USA, teils auch in Großbritannien, lässt sich beobachten, wie brutal selbst private Ver- fehlungen öffentlich verfolgt werden.

Vergeben und Verzeihen, nicht nur anderen, auch sich selbst, gehören zu den großen und ewigen Botschaften des Christentums. Es hätte gute Gründe gegeben, dieser Kirchen- frau die Chance zur Buße zu geben.

1  2  3   > weiter
0 Kommentare
Einen Kommentar hinterlassen:  (Bitte alle Felder ausfüllen!)
 
Name:
 
E-Mail:
 
Kommentar:
 
Spam-Schutz: 
 
Politik - Aktuelles
Hintergrund
Rubrikartikel
Opposition kritisiert die Wahlkampfhilfe der Bundeskanzlerin ...mehr
Wie die SPD gegen die Teflon-Kanzlerin ankommen will ...mehr
Bestandsaufnahme zu Demokratie und Pressefreiheit  ...mehr
Die Medien haben sich an ihrem Bundespräsidenten festgebissen ...mehr
Nach Wulff: Für eine neue Politikkultur- Für Political Social Responsibility ...mehr


Hintergrundzum Archiv