Seit der Leiter des von Jesuiten geführten Berliner Canisius-Kollegs Ende Januar erstmals über sexuelle Übergriffe von Lehrern auf Schüler in den 70-ern und 80-ern berichtete, gibt es immer wieder neue Berichte über Missbrauch. Inzwischen sind nicht mehr nur katholische Einrichtungen betroffen, wenn sie auch nach wie vor die Mehrzahl der bekannt gewordenen Fälle darstellen. Aber auch an einer Reformschule in Hessen hat es Übergriffe gegeben sowie an einer evangelischen Schule. Am Donnerstag ist zudem ein Kinderheim der ehemaligen DDR hinzugekommen.
Politik und Kirche sind uneins, wie mit den bisherigen Fällen umgegangen werden soll und wie die Prävention in Zukunft verbessert werden kann. Erzbischof Zollitsch wird am Freitag mit Papst Benedikt XVI. über die Thematik sprechen. Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ verlangt auch vom Papst Aufklärung, der - noch als Joseph Ratzinger - von 1977 bis 1982 Erzbischof von München war. In dieser Zeit wurden Schüler in der Klosterschule Ettal von Mönchen missbraucht. Sein Bruder Georg war Chef der Regensburger Domspatzen, wo es ebenfalls zu sexuellem Missbrauch gekommen war.
Zollitsch wurde kritisiert, weil er lange zu den Vorfällen geschwiegen hatte. Erst in diesen Tagen hat er Priester expressis verbis zur Selbstanzeige aufgefordert. Zuvor war den Priestern „zur Selbstanzeige geraten“ worden. Darüber |
hinaus sollten sie gegebenenfalls das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft suchen. Wegen dieser Haltung musste sich Zollitsch scharfe Kritik von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) anhören, die ihm mangelnde Aufklärungsbemühungen und fehlende Kooperation vorwarf.
Sie hatte auf eine Direktive der katholischen Glaubenskongregation von 2001 verwiesen, „wonach auch so schwere Missbrauchsfälle zuallererst der päpstlichen Geheimhaltung unterliegen und ausserhalb der Kirche nicht weitergegeben werden sollen.“ Der Erzbischof von Freising und München, Reinhard Marx, hatte danach „Tendenzen in der Vergangenheit“ zu mangelnder Aufklärungsbereitschaft und „betriebene Solidarität“ eingeräumt.
Die Justizministerin hatte der katholischen Kirche ausserdem vorgeworfen, sie baue eine „Mauer des Schweigens“ auf. Zollitsch forderte daraufhin die Ministerin ultimativ auf, ihre Vorwürfe zurückzunehmen. Nachgegeben hat keiner von beiden. Die Fronten blieben verhärtet. Prompt lehnte Zollitsch auch den Vorschlag der Justizministerin ab, an einem Runden Tisch teilzunnehmen. Er verwies darauf, dass Kindesmissbrauch auch anderswo vorkomme. Daher brauche man keinen speziellen Runden Tisch nur für die katholische Kirche. Leutheusser-Schnarrenberger wollte aber nur mit Vertretern der katholischen Kirche über eine eventuelle freiwillige Entschädigung sprechen.
Juristischen Anspruch auf Entschädigung haben die Betroffenen nicht mehr, Missbrauchsfälle verjähren je nach Schwere des Falles nach fünf bzw. zehn Jahren, Vergewaltigungen erst nach 20 Jahren. Forderungen aus CDU und CSU, die Verjährungsfrist auf 30 |