„Ich habe aus dem Lager der Union und der freien Demokraten genauso viel Unterstützung erfahren wie aus dem Lager der Sozialdemokraten und Bündnisgrünen.“ Dieser Satz von Gauck stammt nicht aus diesen Tagen, sondern aus seiner Rede zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls aus dem Jahre 1999. Heute gilt diese Aussage nur noch bedingt. Zwar genießt Gauck noch immer im konservativen und liberalen Lager größte Hochachtung. Doch Union und FDP haben sich für den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) als Bundespräsidentenkandidaten entschieden. Bei einer Bundespräsidentenwahl aber ist nur das Amt an sich überpolitisch. Die Wahl dagegen ist hochpolitisch. Deshalb hat Gauck auch nicht wirklich eine Chance, was er aber auch weiß: „Ich bin Realist und kann zählen.“
Joachim Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock als Sohn eines Kapitäns geboren. Mit elf Jahren erfuhr er zum ersten Mal, was es heißt, in einem Unrechtsregime auszuwachsen. 1951 wurde sein Vater von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und wegen Spionage und antisowjetischer Hetze in ein stalinistisches Straflager in Sibirien gesteckt. Als Beweisstück hatte eine westliche Fachzeitschrift für Nautik gedient. Erst 1955 kam der Vater wieder frei. Später durfte Gauck nicht Germanistik studieren und Journalist werden. Als Ausweg wählte er wie so viele Unangepasste in der |
DDR das Studium der evangelischen Theologie und wurde Pfarrer.
Er sei in einer „finsteren braunen Diktatur“ geboren und in einer anderen „auch finsteren Diktatur“ aufgewachsen, beschrieb Gauck dieser Tage seinen Werdegang. Er sprach von einem „nicht schönen, aber einfachen Leben.“ Als Pfarrer in Rostock musste er mitansehen, wie einige junge Leute seiner Kirchengemeinde vom der Stasi monatelang ins Gefängnis gesteckt wurden, weil sie regimekritische Parolen an eine Wand gesprüht hatten.
Sein zweites Leben begann in der Wendezeit 1989, als er mit seinen Predigten die Menschen in Atem hielt. Seine politischen Predigten wurden in Rostock zeitweise in fünf Kirchen gleichzeitig gehalten. Er wurde zum Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum und zog 1990 in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR ein. Sein späteres Bundestagsmandat legte er nieder, als er zum Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ernannt wurde. Schon in der Wendezeit hatte er den Sonderausschuss zur Auflösung des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) geleitet.
In seinem neuen Amt, das wegen des sperrigen offiziellen Namens bald nur noch Gauck-Behörde genannt wurde, erwarb er sich bald die Anerkennung aller Parteien mit Ausnahme der damaligen PDS und heutigen Links-Partei zu. Das hat sich bis heute nicht geändert. Mit Stimmen der Links-Partei kann Gauck nicht rechnen. Vor kurzem |