behauptete Ex-Links-Parteichef Oskar Lafontaine, Gauck habe als protestantischer Pfarrer Privilegien der Stasi erhalten. Gauck nannte das eine „ungeheuerliche Unterstellung.“ Dennoch hat er die Gesprächseinladung der Bundestagsfraktion der Links-Partei angenommen.
Er sei ein „liberaler, linker Konservativer“, lautet die Selbsteinschätzung Gaucks, der seit zehn Jahren als Publizist tätig ist. Es ist offenkundig, dass er die neue mediale Aufmerksamkeit geniesst. Seine Kandidatur ist für ihn ein Zeichen, dass die Menschen sich nach „unbeschädigten Institutionen“ sehnten: „An meiner Person macht sich vieles an Projektionen fest.“ Er glaubt aber nicht, dass seine Wahl Bundeskanzlerin Angela Merkel beschädigen könnte: „Die Wahl des Bundespräsidenten Joachim Gauck wäre keineswegs das Ende der Ära Merkel.“
Die Medien huldigen Gauck, weil sie in ihm einen unangepassten Intellektuellen sehen, der sich nicht so einfach vor den Karren der Politiker spannen lassen würde. Auch in Umfragen hat er inzwischen die Nase vor Wulff. Aufgrund seiner Biographie, aber auch seines rhetorischen Talents ist er in der Tat der spannendste Kandidat seit langem. Seine Erfolgsaussichten kommentiert er mit dem Verweis auf seine ostdeutsche Biographie. Er habe Ereignisse erlebt, die er nicht erwartet habe. Darum betrachte er seine Kandidatur mit fröhlicher Gelassenheit. |