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Der Chef der Links-Partei kommt nicht aus den Schlagzeilen
19.08.2010
Langsam wird es ernst für Ernst
„Wir predigen nicht nur Wein, wir trinken ihn auch.“ Es sind nicht nur Sätze wie diese, mit denen Ernst die Basis gegen sich aufbringt. Vor allem stört viele Genossen der Lebensstil ihres neuen Parteivorsitzenden. Der besitzt nicht nur eine Alphütte in Österreich und fährt einen Porsche. Vor allem aber lässt er sich von Partei und Fraktion ein Zubrot zahlen, was nicht wenige als unanständig empfinden.

Zusätzlich zu seinen Abgeordnetendiäten von 7.668 Euro kassiert Ernst sowohl eine Zulage der Fraktion von 1.913 Euro sowie eine in Höhe von 3.500 Euro von der Partei. Beide sind umstritten, zumal Ernsts Co-Chefin Gesine Lötzsch auf eine solche Zulage der Partei verzichtet. Ernst verteidigte sich, dass er in seinem früheren Job als IG Metall-Funktionär wesentlich mehr verdient habe. Auch sei sein Job „keine 08/15-Aufgabe.“

In der Tat hat Ernsts Zulage eine gewisse Tradition in der Links-Partei. Denn auch sein Vorgänger Lothar Bisky hatte die Zulage für sich in Anspruch genommen. Dessen Co-Vorsitzender Oskar Lafontaine wiederum hatte verzichtet. Dennoch wird Ernst verübelt, was bei Bisky akzeptiert wurde. Das liegt auch daran, dass Bisky in seiner Partei weit herum beliebt war. Ernst dagegen war von Anfang an umstritten.

Er ist ein Ziehsohn Lafontaines und wurde nur gewählt, weil neben
der Ossi Lötzsch auch ein Wessi an die Spitze musste. Ernst hat aber bei weitem nicht das Format und das Standing seines Ziehvaters. Nicht einmal in seinem heimischen Landesverband Bayern ist er unumstritten. Von dort kommen jetzt besonders schwere Vorwürfe. Ernst soll die Mitgliederlisten nicht bereinigt haben und sich so mehr Delegiertenstimmen auf dem letzten Parteitag verschafft haben.

Auf diesem parteitag hatte Ernst mit 74,9 Prozent vergleichsweise gut abgeschnitten, nachdem er zuvor bei seiner früheren Wahl zum Parteivize nur auf blamable 59,2 Prozent gekommen war. Lötzsch dagegen hatte starke 92,8 Prozent erzielt. Sie ist weitaus beliebter als Ernst und hat die starken ostdeutschen Verbände geschlossen hinter sich, während Ernst im Osten fremdelt.

Der Vorwurf der Manipulation der Mitgliederlisten wiegt ungleich schwerer als die Raffke-Kritik. Vergeblich versuchten Ernsts Gefolgsleute mit falschen Anschuldigungen jenen Schatzmeister unglaubwürdig zu machen, der die Vorwürfe publik gemacht hatte. Es stellte sich oberdrein heraus, dass die bayrische Art der Buchführung offenbar in allen westdeutschen Landesverbänden gepfelegt wurde. Vor kurzem musste der saarländische Verband ein Drittel seiner 3.600 Mitglieder streichen. Anderswo soll es ähnlich aussehen, so dass die Gesamtzahl von 78.000 Mitglieder demnächst wohl revidiert werden muss.

Dummerweise kommt für Ernst noch ein dritter Vorwurf hinzu. Er soll gegenüber dem Deutschen
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