Überraschend trat Steinmeier am Montag in Berlin vor die Presse, um seine vorübergehende Abwesenheit von der politischen Bühne zu verkünden. Der Grund liegt in der Krankheit seiner Frau, die seit Jahren unter Nierenproblemen leidet. Zu Jahresbeginn ist eine Verschlechterung eingetreten. Normalerweise wartet ein Nierenkranker in Deutschland rund sechs Jahre auf ein Spenderorgan. In dieser Zeit muss der Patient mehrmals wöchentlich zur Dialyse.
Steinmeier begab sich noch am Montag in die Klinik. Im Verlaufe der Woche soll die Transplantation stattfinden. Seine Frau Elke Büdenbender (48), die eher zurückhaltend in der Öffentlichkeit auftritt, ist Richterin am Berliner Verwaltungsgericht. Beide sind seit 1995 verheiratet und haben eine 14-jährige Tochter.
„Sie werden mich hier in alter Frische wiedersehen,“ betonte Steinmeier am Montag. Er geht davon aus, dass er im Oktober wieder auf der politischen Bühne zurück ist. Seine Aufgabe als Fraktionschef übernimmt so lange Fraktionsvize Joachim Poss. Steinmeier bat die Journalisten eindrücklich, seine Privatsphäre zu respektieren und keine weiteren Nachforschungen anzustellen. Er werde sich zur gegebenen Zeit melden.
Sollte es bei diesem Zeitplan bleiben, würde Steinmeier auf dem nächsten Parteitag am 26. September in Berlin fehlen. Dort aber wird es um die in der SPD heftig umstrittene Rente mit 67 gehen. Die wurde seinerzeit von der grossen |
Koalition unter massgeblicher Beteiligung des damaligen Arbeitsministers Franz Müntefering eingeführt. Heute gilt sie eher als die Wurzel alles Bösen. Nicht wenige wollen sie wieder abschaffen. Steinmeier dagegen verteidigt das Reformwerk. Ein Kompromiss sieht nun vor, den Start für die stufenweise Erhöhung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 auf 2015 zu verschieben. Dennoch werden auf dem Parteitag heisse Diskussionen erwartet.
Steinmeiers Schritt erinnert an den Münteferings, der 2007 als Arbeitsminister und Vizekanzler zurücktrat, nachdem seine damalige Frau schwer erkrankt war. 2008 wurde Müntefering dann noch einmal für ein Jahr zu Parteichef gewählt. 1990 mussten sich sowohl der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble als auch der SPD-Politiker Oskar Lafontaine nach Attentaten für eine Zeit aus der Politik zurückziehen. Aufgrund einer Krebserkrankung verzichtete Lafontaine Ende letzten Jahres auf den Parteivorsitz der Links-Partei sowie auf sein Bundestagsmandat. Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer musste 2002 wegen einer lebensgefährlichen Herzerkrankung für einige Monate auf politische Aktivitäten verzichten. |