Rassist. Westentaschen-Wilders. Mit derartigen Vorwürfen sieht sich Sarrazin derzeit konfrontiert. Die rechtsradikale NDP hat ihn eingeladen, sich ihr anzuschließen, da er ihre Thesen vertrete. In seinem neuen Buch „Deutschland schafft sich ab“ prophezeit Sarrazin, dass Deutschland bald von Ausländern dominiert werde. Er kritisiert einmal mehr die mangelnde Integrationsbereitschaft der Muslime und wirft ihnen Inzucht vor. In einem Interview hat er noch eins drauf gelegt und Juden biologisch definiert: „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“? Damit hat sich der streitbare Sarrazin noch mehr in die Nesseln gesetzt als vor einem Jahr.
Bereits damals hatte er in einem Interview mit der Zeitschrift „Lettre International“ den mangelnden Integrationswillen muslimischer Ausländer beklagt: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Seiner Meinung nach hat in Berlin eine grosse Anzahl der Araber und Türken „keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel.“
Schon zuvor hatte der SPD-Politiker und langjährige Berliner Finanzsenator seine Genossen mit unliebsamen „Wahrheiten“ konfrontiert. So machte er sich mit Bemerkungen wie „Nirgendwo schlurfen so viele Menschen in Trainingsanzügen durch die Straßen wie in Berlin“ unbeliebt. Von seinen Mitarbeitern hielt er |
auch nicht allzu viel: „Die Beamten laufen bleich und übel riechend herum, weil die Arbeitsbelastung so hoch ist.“
Wenig Freude hatten seine Berliner Genossen, als Sarrazin vorrechnete, wie sich Hartz IV-Empfänger für weniger als vier Euro am Tag ernähren könnten. Auch forderte er die Hartz IV-Empfänger auf, im Winter einen Pullover mehr anzuziehen und weniger stark zu heizen. Oder er stänkerte: „Wenn man sich das anschaut, ist das kleinste Problem bei Hartz IV-Empfängern das Untergewicht.“
Weil er aber gleichzeitig das Kunststück vollbrachte, die Berliner Finanzen durch einen strammen Sparkurs auf Vordermann zu bringen, liess ihn der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) immer wieder gewähren. Erst als Sarrazin sich über die SPD-Forderung nach einem Mindestlohn von 7,50 Euro mit der Aussage mokierte, er würde auch für fünf Euro Stundenlohn arbeiten, zeigte ihm Wowereit die „dunkelgelbe Karte“, wie Sarrazin es formulierte. Der Finanzsenator musste sich öffentlich entschuldigen.
Der 1945 im thüringischen Gera geborene und im nordrhein-westfälischen aufgewachsene Sarrazin hat in seiner Karriere nie eine Gelegenheit ausgelassen, seine selten dem Mainstream angehörenden Standpunkte zu vertreten. Das kostete ihn seinerzeit seinen Job bei der Deutschen Bahn, nachdem er sich immer wieder mit dem damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn gezofft hatte.
Nach dem Interview vor einem Jahr |