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Nach dem Aus für den Zivildienst müssen sich die Wohlfahrtsverbände umstellen
26.08.2011
Startschwierigkeiten beim Bundesfreiwilligendienst
„Bei uns hat sich bislang noch niemand für den Bundesfreiwilligendienst gemeldet“, berichtete Annemarie Kreß von der Samariterstiftung in Leonberg dieser Tage der „Stuttgarter Zeitung.“ Auch beim Böblinger Deutschen Roten Kreuz (DRK) klagte man im selben Blatt über „außerordentlich wenig Zulauf.“ Für den neuen Bundesfreiwilligendienst gebe es bislang nur zwei Interessenten. Bislang hat man jährlich zwischen 60 und 80 Zivis beschäftigt.

Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht zum 1. Juli ist in Deutschland auch der Zivildienst weggefallen. An seine Stelle ist der Bundesfreiwilligendienst (BFD) getreten. Er dauert in der Regel zwölf Monate, kann aber bis zwei Jahre ausgedehnt werden. Die kürzeste Dauer sind sechs Monate. Anders als beim Zivildienst gibt es keine Altersbeschränkung. Zuletzt waren 19.700 Zivis im Dienst.

Unproblematisch sieht der Bundesbeauftragte für Zivildienst, Jens Kreuter, die gegenwärtige Lage. Er erklärte dieser Tage, das bisher kein Krankenwagen in der Garage habe stehen bleiben müssen. Befürchtungen wegen Personalengpässen hätten sich nicht bewahrheitet. Das liege daran, dass sich die betroffenen Wohlfahrtsverbände und andren Trägereinrichtungen rechtzeitig umgestellt hätten.

Mona Finder von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bestätigt diese Einschätzung. Allerdings verweist sie auch darauf, dass in den letzten Jahren ganz generell die Zahl der Zivis gesunken sei. Mit der Reduzierung der Wehrpflichtdauer habe auch die Zeit für den
Zivildienst abgenommen. Doch der Zivildienst sei anders als der neue Bundesfreiwilligendienst ein Pflichtdienst gewesen.

Zivis habe man auch in den weniger attraktiven Bereichen wie etwa der Verwaltung einsetzen können. Zwar gebe es derzeit Bewerber: „Aber die Zahl wird nie so hoch sein wie bei den Zivis.“ Kindergärten hätten allerdings keine Probleme: „Die werden überrannt.“ Aber bei Pflegeeinrichtungen sehe das ganz anders aus. Auch fehle durch den Wegfall der Zivis der menschliche Aspekt. Der Zivildienst sei mehr so etwas wie ein Zusatzdienst gewesen. Die Zivis hätten mehr Zeit gehabt als die Fachkräfte, sich um die Menschen zu kümmern.

Auch der Geschäftsführer der Evangelischen Freiwilligendienste, Martin Schulze, sprach von Startschwierigkeiten. Das sei aber auch nicht verwunderlich, wenn die Umstellung in so kurzer Zeit erfolge. Er geht aber davon aus, dass die Zahl der Bewerbungen für den Bundesfreiwilligendienst zunimmt, wenn demnächst die Absagen von den Universitäten eintrudeln. Schulze meint, dass sich die Wohlfahrtsverbände umstellen müssen: „Man muss deutlich mehr werben.“
Helmut UwerHelmut Uwer, uwer@tagesblick.de
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