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Fast unbemerkt von der europäischen Öf- fentlichkeit haben die USA ihre Militär- strategie grundlegend gewandelt. Das kommt fast einer Revolution gleich, denn die USA verabschieden sich auch militärisch von ihrer internationalen Führungsrolle. Ist Obama für eine neue Roll-Back-Politik ver- antwortlich oder sind die USA einfach über- fordert?
Der Rückzug der Amerikaner von einer internationalen Führungsrolle ist in jedem Politikbereich und jedem Kontinent sichtbar: Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen, im Irak und in Afghanistan, oder im Drogenkrieg in Lateinamerika. Präsident Oabama kämpft mit den Auswirkungen der Finanzkrise, mit einem wirtschaftlich gebeutelten Land, mit der Eindämmung der Börsenspekulationen, mit dem US-Gesundheitswesen und seinen in- nenpolitischen Gegnern.
Für den Rest der Welt hat Obama bei diesem Kraftakt nur wenig Aufmerksamkeit übrig. Jetzt wird bekannt, was sich politisch bereits andeutete: Auch militärisch rücken die Amerikaner von ihrer Führungs-Strategie ab. Es geht nicht mehr darum, zwei große, konventionelle Kriege auf einmal führen zu können. "Wir haben im Irak und in Afgh- anistan zwei große Operationen laufen", sagte Pentagon-Chef Robert M. Gates bei der Präsentation der Studie "2010 Quadrennial Defense Review", "was würde passieren, wenn eine Naturkatastrophe die USA träfe? Was ist, wenn es zu einer weiteren Aus- einandersetzung kommt? Wir müssen uns auf eine deutlich größere Bandbreite von Sicherheitsheraus- forderungen einstellen."
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In dem Strategiedokument, das vom Pen- tagon alle vier Jahre veröffentlicht wird, legt das US-Militär fest, wie mit zukünftigen Be- drohungen umgegangen werden soll. Während die Planungen nach Ende des kalten Krieges vorsahen, dass die Armee jederzeit für zwei konventionelle Kriege gerüstet sein muss, legt die neue Doktrin den Schwerpunkt auf Flexibilität.
Dabei soll neue Technologie helfen: So sollen die Einsätze unbemannter Drohnen um 75 Prozent gesteigert werden, neun Milliarden Dollar sind für die Schaffung zweier neuer Heeresflieger-Brigaden (Combat Aviation Brigades) und den Ankauf neuer Hubschrauber vorgesehen. Das "Special Operations Command" erhält 2.800 weitere Soldaten. In diesem Zusammenhang ist auch die Mahnung der USA an die Europäer zu verstehen, neue Bedrohungen wie die elektronische Kriegsführung ernst zu nehmen: "Wahrscheinlich kommt die Gefahr der Zukunft nicht aus dem Bombenschacht eines Flugzeugs, sondern aus einem Glas- faserkabel," so US-Admiral James Stavridis, der NATO-Kommandierende.
Die Diskussion kommt jetzt nicht von un- gefähr: Zum einen steht im November 2010 die Verabschiedung einer neue NATO-Strategie auf dem Gipfel in Lisabon an; zweitens wird sich kommenden Mittwoch der Deutsche Bundestag mit der Erweiterung des Bundeswehrkontingents in Afghanistan be- fassen. Statt der 4300 Soldaten sollen nun 5300 deutsche Soldaten an den Hindukusch.
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