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Der Jugendprotest im Urlaubsland Tunesien ist fast ein Lehrstück aus einem politik- wissenschaftlichen Uni-Seminar: Lange vorhersehbar, mit Vorläufern in der jüngeren Historie, und ein Paradebeispiel was uns in den nächsten Jahren in vielen anderen afrikanischen Ländern erwartet. Dennoch antwortet die Politik nur mit Polizeikräften, statt mit zukunftsweisenden Maßnahmen.
Tunesien brennt - bereits seit Wochen, ohne dass die Weltöffentlichkeit groß Notiz genommen hätte. Seit ein paar Tagen, und mindestens 20 Toten später, aber hat es der Jugendaufstand in Tunesien auch in die Hauptnachrichten in Deutschland geschafft.
Am Dienstag haben es die Unruhen im Land bis in die Hauptstadt Tunis geschafft. Dort gingen nicht nur Demonstranten auf die Straße, es brannten auch Busse. Ab Abend marschierte Militär auf - die Bankrotterklärung des Staatspräsidenten Ben Ali. Offizielle Quellen sprechen von 21 Toten, Menschen- rechtsorganisationen gehen hingegen von 70 Toten aus. Eine deutsche Nachrichten- agentur schreibt angesichts der Massen- aufstände im Land von einem "Aufstand der Armen". Doch das ist es nicht: Es ist ein Aufstand der gutausgebildeten Chancen- losen, der überzähligen Söhne, die keinen Platz im Leben finden können, weil sie in ihrem Land eingesperrt sind, das ihnen keine Arbeit bietet.
Tunesien hat in den letzten 40 Jahren seine Bevölkerung fast verdreifacht, und seit den 70er Jahren verdoppelt, auf heute 10 Millionen Menschen. Zwar ist es dem Land |
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gelungen, die Geburtenrate auf etwa 1 Prozent zu drücken und somit die Quote der Jugendlichen unter 15 auf rund 25 Prozent zu halten, aber diese Jugendlichen, sowie auch ihre älteren Geschwister, sind bereits arbeitslos oder wachsen im Bewusstsein auf, arbeitslos zu werden.
Die Jugendlichen, und vor allem, jungen Erwachsenen, bis rund 27 Jahren, die jetzt auf die Straße gehen sind nicht extrem arm. Im Gegenteil: Sie sind gut ausgebildet, oft sogar mit mehreren Uni-Abschlüssen, sie kommen aus Familien mit bescheidenen aber stabilen Einkommen und haben drei Dinge: Keine Arbeit, keine Chance aber viel Zeit. Jetzt fordern sie ihr Recht auf eine eigene und gesicherte Zukunft ein.
Doch sie treffen auf ein Regime, das die Korruption und Vetternwirtschaft quasi zur Kunst erhoben hat. Still, leise und heimlich und nicht ganz so repressiv wie die Nachbarregieme aus Algerien, Lybien oder Ägypten, hat sich die Familie des Staatspräsidenten Ben Ali Millionen auf die eigenen Konten gewirtschaftet.
Dabei waren die Anfänge durchaus ansprechend: 1987 setzte Ben Ali den ersten Staatspräsidenten des Landes nach der Unabhängigkeit, Habib Bourgiba, unblutig ab. Es gelang ihm in der Folgezeit, die Wirtschaft anzukurbeln und dem Land bescheidenen Wohlstand zu bringen. Wichtige Ein- nahmequellen waren den Tourismus, die Landwirtschaft, aber auch eine wachsende Textilindustrie und in neuster Zeit Rohstoffe wie Phosphate oder Gold.
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